Es ist noch gar nicht so lange her, da war auch der österreichische Premiumhersteller Simplon noch der Meinung, dass Fahrräder und Elektromotoren nicht unbedingt miteinander verheiratet werden sollten. Nun ja - selbst Bill Gates bestreitet gesagt zu haben, dass niemand jemals mehr als 64 Kilobyte Arbeitsspeicher brauche. Heute rechnen wir selbst auf Heimrechnern in Terabyte und E-Bikes und Pedelecs gehören zum modernen Stadtbild.
Simplon ist keine Firma die günstige Technik in Fernost einkauft, an ein Rad schraubt und es dann auf die Menschheit loslässt. Die Österreicher gehören seit Jahren mit ihrem Produktsortiment zur Oberklasse und geben sich viel Mühe mit Neuentwicklungen. Für das Antriebskonzept arbeitete Simplon eng mit zwei führenden Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz zusammen. Ergebnis ist ein perfekt abgestimmtes Antriebskonzept aus einem fünfstufigen 35 Nm-Motor ohne Schleifkontakte und einem 36V/10Ah Lithium Ionen Akkusatz mit integrierter Lade- und Steuerelektronik.
Der Pedelec-Nabenmotor ist in die Hinterachse integriert, das ist recht ungewöhnlich, denn aktuell bestimmen eher Mittelmotorkonzepte am Tretlager und Nabenmotoren am vorderen Laufrad das Wettbewerberfeld. Die Installation hat dabei einige Vorteile, denn sowohl der mit nur 2.4 kg sehr leichte Akku am Heckträger als auch das komplette Hinterrad lassen sich mit wenige Handgriffen abnehmen. Eine Laufrad ohne Motor verwandelt so das Pedelec in ein ganz normales Tourenrad - innerhalb von Minuten und ohne technische Kenntnisse. Das ist möglich, weil unser Testrad ganz simpel über den Kettenstrang angetrieben wird. In der Praxis schiebt der Motor schon nach einer halben Pedalumdrehung ordentlich und vollkommen geräuschlos an und sorgt für ein breites Grinsen beim Fahrer, bevor auch nur zehn Meter gefahren sind.
Sieben Modellvarianten
Auch das niedrige Gesamtgewicht hat einen Anteil am stimmigen Konzept, wie niedrig es letztendlich ausfällt, bestimmt der Käufer bei der Wahl des Rahmens selbst. Nicht weniger als sieben Modellvarianten stehen zur Auswahl, darunter auch der brandneue Carbonrahmen "Silk Carbon", der im Modelljahr 2011 die Allzweckwaffe von Simplon darstellt und sich gleichermaßen für City, Touren, Trekking und Pedelec eignet. Mit dem E-Lion Antrieb entsteht daraus ein Sub 20 kg - Pedelec! Wenn es nicht unbedingt Carbon sein muss und ein paar Gramm mehr oder minder eine untergeordnete Rolle spielen, lässt sich auch mit den Alurahmen Spotlight, Alulight oder dem hier gezeigten Kagu ein exzellentes Rad aufbauen und sogar nachrüsten. Unser Kagu-Testrad mit Motorantrieb liegt bei etwa 2.500 Euro - komplett, das darf man durchaus als Top-Angebot bezeichnen. Wer sich für einen Nachrüstsatz entscheidet, profitiert auch vom ANT-Funkstandard des Systems, denn der Macro Free Radcomputer von O_synce kommuniziert über das moderne 2.4 GHz-Band mit dem Steuergerät im rückwärtigen Akku. Kabel? Nicht notwendig.
Nette Features
Auf die Rekuperation des Akkus verzichtet das Konzept gänzlich. Letztendlich, so Simplon, spielt der Rückgewinn aus Bremsenergie eine so untergeordnete Rolle, dass es sich einfach nicht lohnt. Da mag Simplon Recht haben und bei einer Reichweite von annähernd 100 Kilometern bei mittlerem Unterstützungsgrad und nahezu 40 Kilometern bei maximaler Unterstützung ist diese Funktion in der Tat verzichtbar. Mitgedacht hat Simplon auch beim Akkuanschluss, denn der Verbindungsstecker verfügt über einen Magnetverschluss und löst sich beim Stolpern im dunklen Keller selbstständig ohne dabei das Rad umzuwerfen. Die neuen SKS-Schutzbleche mit integrierter Kabelführung, das Lumotec IQ Frontlicht von Busch & Müller, der stabile Heckträger mit Befestigungsclip für das Akkusystem und die traumhaften bequemen Balloon-Reifen von Schwalbe machen Simplons erstes Pedelc zu einem ernsthaften Konkurrenten im Pedelec-Segment.
Das E-Lion Konzept wird erstmals auf der Eurobike präsentiert und voraussichtlich ab Herbst/Winter 2010 verfügbar sein.
Fotos Ingo Kruck (FN)
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Kommentare
Was von simplon vernachlässigt wurde und gefährlich werden kann, ist eine fehlende abdeckung der steckdose! Gerade weil diese magnetisch ist und somit anziehend für schlüssel ect. Ist. Schon ist ein Kurzer vorprogrammiert, dürfte nicht sein! Kinder spielen sehr gerne mit steckdosen! Sollte schleuigst geändert werden.
Weiters habe ich bei meinem kagu e2 problem mit dem zahnkranz, dieser macht im kleinsten gang unter volllast ca. 10 cm rechtsdrehend mit klick, leerlauf bei jeder umdrehung,, super gefühl...
Erinnert mich an meine schrotträder wenn das tretlager im eimer war.
Uhnangenehm ist auch das abrupte abregeln bei 25 kmh, starker bremseffekt, ist bei anderen marken weicher, hier müssten sich die ingineure etwas einfallen lassen.
Ansonsten rundum zufrieden,
Sigi
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