
Während die Sechstagerennen in München und Dortmund wegen massivem Zuschauerschwund die Flinte ins Korn geworfen haben und sich nun ein neues Konzept überlegen müssen, hat Veranstalter Michael Zurhausen nicht nur tief ins Portemonnaie gegriffen und eine Million Euro investiert, sondern bei der Gelegenheit auch gleich dem mehr als angestaubten und wenig radsportfreundlichen Schicki-Micki-Schampus-Image für das vor allem München bekannt war, den Kampf angesagt und ein Mega-Event mit zahlreichen Attraktionen geplant.
Das rosafarbene 200-Meter-Riesenzelt allein ist schon einen Besuch wert. Zurhausen konnte das Unikum einem Londoner Schwulen- und Lesbenverein in London abschwätzen und transportiert die mächtig tuffige Radsportbehausung auf 40 LKW's nach Nordrhein Westfalen. Zwei Wochen wird sein Team benötigen um das Zelt und die transportable Holzbahn (200 Meter Bahnlänge, 5,65 Meter Breite, 51/13 Grad Neigung) aufzubauen. Um die 45 Kilometer Holzlatten auf der Bahn zu vernageln, sind 80 Zimmerleute über 5000 Stunden beschäftigt - bei 250.000 Spezialnägeln kein Wunder. Immerhin 3500 Zuschauer finden in der fertigen Arena ihren Platz und 2500 müssen es täglich werden, soll am Ende des Events mindestens eine schwarze Null auf dem Konto stehen.
Der Veranstaltungsort ist mit dem Festplatz der Cranger Kirmes in Herne-Crange sicher gut gewählt, immerhin liegt Herne innerhalb des größten Ballungszentrums in Europa und ist mit allen Verkehrtsmitteln gut zu erreichen.
Auf der sportlichen Seite hat natürlich nicht nur Zurhausen mit dem Wegfall der Matadoren Zabel, Risi und Beikirch ein Prominenz-Problem. Immerhin fungiert Andreas Beikirch nun als Sportlicher Leiter der Six Days und kann so seine langjährigen Erfahrungen aus dem Bahnsport in die Planung einfließen lassen. Das bisher verpflichtete Line-up sieht dann auch gar nicht so übel aus:
Olympiasieger Robert Bartko, Danny Stam, Leif Lampater, Franco Marvulli, Andreas Grassmann, Thomas Juhas, Benjamin Edmüller, Tristan Marguet sind bereits dabei. Mit Eric Mohs und Marcel Barth verhandelt Beikirch ebenso noch wie mit zahlreichen weiteren Fahrern der Bahnszene.
Ob das Showprogramm alle Geschmäcker zufrieden stellt, darf bezweifelt werden. Mit den Schlager- und Partygranaten Michael Wendler, Olaf Henning und Markus Becker zielt Herne ganz klar auf feierwütiges Publikum ab und wird dafür höchstwahrscheinlich in Sachen Besucherzahlen und Megastimmung belohnt. Des Weiteren sollen u.a. The Lords und eine Las Vegas Magieshow für Spaß in der Arena sorgen.
Die Eintrittspreise bewegen sich zwischen 29,90 und 38 Euro - angesichts der außergewöhnlichen Behausung und den gebotenen Showdarbietungen ein akzeptables Angebot für einen Abend.
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