Sieben harte Tage über Alpenpässe und schlechte Straßen hinterlassen Spuren, nicht nur bei den Fahrern. Auch das Material unserer beiden Transalp-Teilnehmer musste einiges aushalten. Eine Bestandsaufnahme.
Zunächst einmal vorab: beide Fahrer kamen einigermaßen heil im Ziel in Arco an. Für den schweren Sturz, den Steffi auf der Gavia-Abfahrt hatte, war jedenfalls kein Material-Schaden verantwortlich, es war schlicht und ergreifend ein Fahrfehler.
Zum Glück funktionierte hier eines der wichtigsten Teile im Radsport, der Helm. Steffis Whisper von Catlike ist zwar nun schrottreif, da an zwei Stellen gebrochen. Den Sturz konnte er jedoch hervorragend abfangen. Zur Erinnerung: Steffi übersah auf der Abfahrt vom Gavia-Pass ein Schlagloch, verlor dadurch wichtigen Bremsweg und musste daraufhin das Hinterrad blockieren - wohlgemerkt schon in Schräglage für die kommende Serpentine. Anstatt zu rutschen wurde sie über das Rad geschleudert und knallte mit dem Kopf gegen die Leitplanke. Der Helm leistete hier ganz Arbeit, lediglich das Kinn wurde als einzige Stelle am Kopf in Mitleidenschaft gezogen. Ansonsten blieben nicht einmal Kratzer oder Beulen zurück.
Auch die Rennmaschine, ein CCT Pro von Corratec überstand den Crash unbeschadet, obwohl die weiße Lackierung uns zunächst als recht anfällig erschien. Die Carbon-Teile blieben ebenfalls heil, jedenfalls konnte Steffi die komplette Etappe fortsetzen, ohne irgendetwas tauschen zu müssen. Wäre auch Schade gewesen, da beide Fahrer mit den Rädern hoch zufrieden waren - von Einzelteilen einmal abgesehen, doch dazu später mehr. Der superleichte Rahmen von Corratec konnte jedenfalls voll überzeugen, war weder unkomfortabel noch schwammig-weich, was man deutlich daran erkennen konnte, wie viel Zeit die beiden in den Abfahrten gut machten. Selbst das bei Carbon-Felgen oftmals auftretende Ruckeln der Bremse wurde vom Ensemble aus Gabel und Rahmen gut weggesteckt.
Wobei wir damit beim wichtigsten Kritik-Punkt angekommen wären, den Laufrädern. Anfangs waren Steffi und Nino auf unterschiedlichem Material unterwegs. Steffi auf Corratecs Hausmarke ZZYZX, konventionell eingespeicht und mit Drahtreifen-Felgen aus Carbon. Nino vertraute dagegen auf seine Mavic Cosmic Carbon Ultimate Vollcarbon-Laufräder. Die Frage, ob man nun bei einem 7-tägigen Rennen mit allerlei Wetterumschwüngen auf Kohlefaser-Laufräder setzen soll würden beide inzwischen wohl mit „nein“ beantworten. Erster großer Nachteil: das Regen-Problem. Keine Frage, Carbon-Felgen bremsen bei Nässe schlechter, lassen sich aber „trocken-bremsen“, sprich bei ständigen Bremsmanövern in engen Serpentinen-Abfahrten wird man diesen Nachteil kaum bemerken. Kritisch wurde es eher auf einem Flachstück: bei der Ankunft in Livigno bei Platzregen musste Steffi hinter einem Auto abrupt bremsen, was allerdings nur unter Einsatz der Füße gelang. Bremswirkung war auf den klatschnassen Felgen in diesem Moment keine mehr vorhanden. Glück im Unglück hatte dagegen Nino tags darauf auf der Abfahrt vom Foscagno-Pass herunter. Diese Straße ist komplett neu geteert und in hervorragendem Zustand, doch trotzdem reichte ein Schlag aus und 7 der insgesamt 20 Speichen im Vorderrad brachen. Obwohl damit quasi keine Zugspeichen mehr vorhanden waren und Kohlefaser-Verbundstoff so gut wie keine Druckkräfte aufnehmen kann, flog das Laufrad nicht komplett auseinander und ließ sich noch zum Stehen bringen. Mysteriös blieb dieser Crash allerdings schon, auf die genaue Analyse von Mavic darf man jedenfalls gespannt sein. Zumindest funktionierte die von der UCI geforderte Sicherheitsmaßnahme. In die Speichen eingearbeitete Fasern hielten die Bruchstücke beieinander und verhinderten so herumfliegende Carbon-Teile.
Erst am folgenden Tag entdeckte wir dann beim Laufradwechsel vor dem Start, dass das Hinterrad zwar nicht defekt war, aber zumindest einen schönen Seitenschlag aufwies und damit an der Bremse schleifte. Ob das nun auch am Foscagno passierte oder auf der wesentlich schlechteren Teerdecke des Gavia-Passes kann im Nachhinein niemand mehr beantworten. Die letzte Etappe absolvierte Nino jedenfalls auf den Ersatz-Laufrädern von ZZYZX.
Der einzige Material-Verlust während des Rennens war der Sender von Nino´s Funk-Tacho. Das Teil war wie bei Sigma üblich mit einem Gummi-Ring an der Gabel befestigt und hielt den schlagenden Speichen des kaputten Vorderrades wohl nicht stand. Gefunden wurde der Sender jedenfalls nicht mehr. Die Schuld dafür kann man jedoch wohl kaum dem Hersteller in die Schuhe schieben.
Das restliche Material absolvierte die 880 Kilometer tadellos. Steffis Dura Ace mussten wir lediglich am zweiten Tag etwas nachjustieren, was an einem komplett neu aufgebauten Rad jedoch ganz normal ist. Die restlichen Tage taten die Shimano-Komponenten genau das, was sie am besten können: einwandfrei funktionieren. Was die Reifen betrifft nahmen sich die beiden quasi nichts. Nino hatte den Grand Prix 4000 Tubular auf seine Ultremos geklebt, Steffi die hauseigenen Corratec-Drahtreifen namens Wizard Pro aufgezogen bekommen. Beide hatten offenbar genug Grip, um bergab die Konkurrenz schwindelig zu fahren und das selbst auf den regennassen Abfahrten in Livigno oder Kaltern. Die Grenzbereiche dieser Reifen liegen jedenfalls weitab dessen, was sich die Mehrheit der Fahrer zutrauen würde.
Autor Marco Felgenhauer
Fotos Marco Felgenhauer
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