Was ist das denn jetzt wieder? Rennradfahrer, mit Motorradhelmen und Protektoren unter den Zeitfahr-Einteilern? Downhiller auf Slick Reifen? Das klingt doch nach einem Red Bull-Event, genauer gesagt dem Road Rage in Moritzberg!
Der Gedanke dahinter ist mal wieder ziemlich simpel: warum müssen Downhill-Rennen immer auf matschigen oder felsigen Pisten stattfinden? Die logische Antwort darauf ist der Red Bull Road Rage. Angefangen hat alles im Jahre 2006, als man zum ersten mal im sonnigen Kalifornien die Asphalt-Abfahrten unsicher machte. Nun feierte die abgedrehte Veranstaltung Premiere in Deutschland und das im unter Downhillern wenig bekannten Nürnberger Land. Kein Wunder, die angesprochenen Offroad-Pisten gibt es hier eben nicht. Die Abfahrt vom „Hausberg“ der Nürnberger Rennradszene hat es aber dennoch in sich. 2,1 Kilometer schlechter bis mieser Teer windet sich über elf Kurven, die man zum Teil gerne als Serpentine bezeichnen kann, über 188 Höhenmeter hinab ins „Tal“. Startpunkt war der Gasthof Moritzberg, Ziel das Nirgendwo zwischen Weihersberg und der nächsten Bundesstraße - mehr ist als Ortsangabe nicht zu finden.
Der Wettkampf-Modus ist ähnlich knapp umrissen: Quali-Rennen mit Einzelstart, danach K.O.-Rennen im Four-Cross-Prinzip. Vier Mann starten gleichzeitig von der Rampe, die beiden schnellsten kommen weiter - die etwas modernere Variante eines Gladiatoren-Kampfes. Man sollte dabei allerdings erwähnen, dass sich die meisten ohne Kontakt mit den Konkurrenten aus dem Rennen verabschiedeten. Stürze waren eher die Folge von falsch bedienten Bremsen oder unterschätzter Geschwindigkeit als von ausgefahrenen Ellbogen. Oder aber das Wetter griff entscheidend ins Renngeschehen ein. Guido Tschugg, einer der wenigen Vollprofis im Feld und mit der Startnummer eins letzter der Quali musste als einziger bei Platzregen sein Glück versuchen und schied prompt im Vorlauf aus. Trotz eines Sturzes kam er noch auf Platz 44 an, von 114 männlichen Teilnehmern. Er war auf dem Mountainbike unterwegs, gehörte damit zur Gruppe der 26 Zöller, die jedoch den Rennradfahrern schon rein technisch unterlegen waren. In den Finals waren jedenfalls mehr Fahrer auf 28 Zoll-Reifen vertreten, so auch der spätere Sieger Thomas Schäfer. Bei der mäßigen Steilheit am Moritzberg waren Beschleunigungswerte eher gefragt als übermäßig Grip und vollgefederte Fahrwerke. Nicht zum Erfolg schienen jedoch Zeitfahr-Vehikel mit Carbon-Laufrädern zu führen, ja sogar eine Scheibenrad soll gesichtet worden sein. „Viel zu steif für den ruppigen Teer“, konstatierte das fachkundige Publikum am Streckenrand, „der Fahrer hat wohl mit dem Lesen der Ausschreibung aufgehört, als er das Wort Einzelstart gefunden hatte.“
Die richtige Mischung aus etwas Dämpfung und sattem Vortrieb war die Lösung was das Equipment angeht. Bei der Schutzkleidung war dagegen Karneval angesagt. Downhill-Helm und passende Protektoren würden ja gerade noch passen, doch Motorrad-Helm und Lederkombi, das ganze auf dem Rennrad? Ein bisschen Stil hätte man sich ja schon gewünscht! Andererseits wurden keine schwerwiegenden Verletzungen gemeldet, trotz unzähliger „Bodenkontakte“.
Fotos Marco Felgenhauer
Icons Pinvoke
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