Drei Monate sind vergangen und es wird Zeit um mal zu prüfen welche Fortschritte es gegeben hat, ob das Training anschlägt und in die richtige Richtung läuft. Das bedeutet: Leistungsdiagnostik.
Wie es bei meiner Diagnostik lief und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, erfahren Sie in diesem Bericht...
LD bedeutet auch immer etwas Unruhe. Immerhin geht es dabei um eine schonungslose Leistungsbeurteilung, einen Test bei dem man im Idealfall die Leistungsgrenze erreicht und das hat schon genug Potenzial um ein wenig nervös zu werden. Die letzten Tage vor der Diagnostik waren eher von weniger anstrengendem Training geprägt und ich konnte die Zeit nutzen um a) die Blutwerte bestimmen zu lassen und b) um der Lösung eines etwas merkwürdigen Problems näher zu kommen.
Was die Blutwerte angeht, werde ich in Zusammenarbeit mit Corinne Mäder, Ernährungsexpertin aus München, meinen Speiseplan optimieren und ergänzen. So langsam spielt die Regeneration eine immer größer werdende Rolle und es wird schwerer lange Einheiten an den Tagen nach intensivem Krafttraining zu absolvieren. Das Eingangs-Krafttraining ist seit letzter Woche abgeschlossen und findet nun im Hypertrophie-Training seine Fortsetzung. Das bedeutet: weniger Wiederholungen, aber statt 65% nun 85% des Max-Gewichts - das geht ans Eingemachte. Nun will ich mich natürlich nicht mit Proteinbomben zuschmeißen, wie so mancher etwas fehlmotivierte Eiweißkoffer aus diversen Muckibuden und unbeweglich Training durch Labern und Posen ersetzen - also gehen wir das Thema mit Sinn und Verstand an.
Das "merkwürdige Problem" gibt noch Rätsel auf, wenn ich damit auch nicht alleine auf diesem Planeten bin. Kraftübungen auf dem Beinstrecker enden nach etwa 60% der Wiederholungen mit einem schnell und progressiv steigenden Kopfschmerz im Hinterkopf, der sich innerhalb von 10 Sekunden zu einem gewaltigen Schmerz-Epizentrum transformiert. Wird die Übung nicht sofort abgebrochen, folgt ein Zustand totaler Umbnebelung bei heftigsten Kopfschmerzen. Was danach kommt, habe ich lieber nicht ausprobiert. Da dieser Effekt ausschließlich an dieser Maschine auftritt und sich sonst nicht reproduzieren lässt, scheint das ein Fall für den Physiotherapeuten zu sein. Am Dienstag werden wir das Mysterium lösen...
Unveröffentlicht
Die Leistungsdiagnostik
Christoph Näger von Energysource in Ottobrunn bei München gilt als absoluter Experte auf seinem Gebiet und betreut zahlreiche Profi- und Amateursportler. Das die Wahl auf ihn fiel ist kein Zufall, der Vorschlag kam von Trainer Dan, der bisher gute Erfahrungen mit ihm machen konnte. Um 18:00 Uhr schlagen wir also in Ottobrunn auf, besprechen den wesentlichen Ablauf des Tests auf einem Cyclus 2 Messgerät. Das ist sehr erfreulich, denn die Tests der letzten Jahre absolvierte ich im Fitness-Studio-Ambiente auf einem potenziell im letzten Jahrtausend geeichten Ergometer der Type "Modell Kaiser 1904". Die darauf erzielten Werte waren gar nicht so übel, mutmaßlich genug um bei großen Hochgebirgsmarathons im vordersten Feld mitmischen zu können. Das es nicht ganz so kam und immer ein paar Minuten fehlten, lag letztendlich auch an den bisherigen Tests - doch dazu später mehr.
Das Pinarello wird also auf dem Cyclus 2 eingespannt und erfreut mit einem realitätsnahen Feedback beim Treten. Abgesehen davon ist es natürlich von Vorteil auf dem eigenen und absolut passenden Rad zu fahren. Sämtliche wichtigen Werte wie Trittfrequenz (nicht unter 70), Watt, Zeit (Stufen Countdown), absolvierte Stufen und einiges mehr ist auf dem Monitor vor dem Lenker ablesbar. Während der einzelnen Stufen nimmt Chris aus dem rechten Ohrläppchen Blut ab - der Blutsauger stört nicht weiter. Am Anfang merkt man das kaum, später, wenn das mehrfach durchlöcherte Ohr keinen Bock mehr auf Bluten hat, kämpft man eh mit ganz anderen Problemen als dem Ohr. Am Ende hat es jedenfalls eine gänzlich unattraktive Verfärbung - nicht Rot, Blau!
Die Stufen dauern jeweils drei Minuten, beginnen bei lächerlichen 70 Watt. Easy, merkt man fast nicht. Bei knapp 200 Watt wird es dann doch etwas warm, die nächsten Stufen werden mühseliger, 280 Watt produzieren Laktat im Bereich von 10,5 mmol - das tut weh. Vor ein paar Jahren war das noch kein Problem, da endetet der Test bei 420 Watt Abbruchleistung mit knapp 19 mmol - allerdings waren die Stufen auch 60 Watt groß! Totaler Schwachsinn, wie ich heute weiß - so lässt sich nicht wirklich die realitätsnahe Leistung ermitteln. Man geht mit dem Gefühl eines Superhelden nach Hause, im Freundeskreis gelten ausschließlich Maximalwerte als Leistnungskriterium. An der 310 Watt-Stufe endet der Test nach ein paar Sekunden, denn die geforderte Minute Mindestdauer ist heute einfach nicht drin - dazu fehlt mir erstens gerade der Sauerstoff und zweitens auch die Kraft. Ernüchterung stellt sich ein, das ist nicht das, was ich erreichen wollte - schon gar nicht im Hinblick auf ältere Diagnostiken. Zum Glück ist Chris aber ein Vollprofi und weiß es besser, denn sehr oft bekommt er Diagnostiken zu Gesicht, die auf viel zu selten geeichten Ergometern durchgeführt wurden, zu große Stufen enthalten oder schlicht Berechnungsfehler aufweisen und damit sind wir meinem Problem auch schon auf der Spur. Es stellt sich heraus, dass die zuletzt ermittelten Trainingsbereiche vollkommen falsch berechnet wurden! Rumms - das sitzt!
Ich habe also demnach die letzten drei Jahre sehr viel Zeit neben dem gewünschten Trainingsbereich trainiert und somit viel Zeit verschwendet. Die von Chris attestierte gute Grundlagenform könnte heute vielleicht sehr gut sein, hätten die Bereiche gestimmt. Das ist nicht nur ärgerlich, das macht wütend - hilft aber nix. Immerhin weiß ich es jetzt besser, habe nun belastbare Werte und kann damit arbeiten. Es kann ab sofort also nur noch steil bergauf gehen. Das Fernziel lautet: mindestens zwei Stufen mehr bei der nächsten LD und zum RATA dürfen es dann gerne drei sein. Das ist nicht utopisch, aber sehr viel Arbeit. Eher unrealistisch erscheint mir die 400 Watt-Grenze - dafür hat der Test einfach zu viele Stufen, die auf dem Weg zur magischen 400 langsam aber sicher die Kraft aus dem Körper ziehen und Laktat aufbauen. Muss aber auch nicht, denn letztendlich wird das Wettkampfgewicht bei etwa 64 kg liegen und somit muss ich auch keine Wattrekorde aufstellen.
Mit neuer Motivation ging es dann am Samstag (Krafttraining, Laufen, Ausfahren) und Sonntag wieder zur Sache. Der Sonntag verlief mit 3,5 Stunden Training auf dem Spinningrad im neuen GA1-Bereich deutlich anstrengender als bisher. Immerhin habe ich aber nun das Gefühl, dass die unsichtbare Blockade für deutlich mehr Power aufgehoben ist - Problem beseitigt - das gibt neue Kraft. Angriff....
Mein Tipp für Sie: Ein guter Leistungsdiagnostiker lässt sich nicht an einer schicken Website erkennen, muss nicht gut sein nur weil er in einem Uniklinikum arbeitet oder besonders teuer ist und tolle Geräte hat. Wählen Sie den Diagnostiker nach seinem Ruf bei Leistungs- und Hochleistungssportlern aus. Wer über mehrere Jahre hinweg Profis betreut, kann nicht wirklich schlecht sein. Den Bayern unter uns lege ich den Kontakt zu Chris Näger von Energysource ans Herz - der mit einigen Ungereimtheiten aufgeräumt hat und in seiner Branche zu den Spitzenkräften gehört.
Beim nächsten Mal gibts Input zur Ernährung. Einen Exkurs wie Sie fit in den Frühling kommen, finden Sie übrigens in der kommenden Fahrrad News ab Mitte Februar.
Herzliche Grüße
Ingo Kruck
Autor Ingo Kruck
Fotos Ingo Kruck
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