24 Stunden-Rennen sind langweilig, zäh und eine einzige Schinderei! Dieser Meinung sind Sie auch? Na dann sollten Sie sich Mitte Juni schon mal einen Termin frei halten. Wer sonst als die Italiener organisieren dann in Feltre ein Rennen rund um die Uhr, das im Ablauf so rein gar nichts mit den üblichen Wettkämpfen dieses Formats zu tun haben will.
Das kleine Städtchen am südlichen Ende der Dolomiten ist sicherlich das Radsport-Mekka in dieser Region und so ist es kein Wunder, dass man das Rennen gemeinsam mit dem in der Nähe beheimateten Bekleidungs-Hersteller Castelli rund um die Altstadt von Feltre aufzieht. Der Rundkurs ist damit gerade einmal 1850 Meter lang, besteht aus einem zähen Anstieg, einer winkeligen, rasanten Abfahrt und einem 400 Meter langen Flachstück, das zum Ende hin über Kopfsteinpflaster führt. Kein Wunder, dass hier so mancher vom 24-Stunden-Kriterium spricht.
Entsprechend schnell wird auch gefahren, schließlich stehen den Teams zwischen acht und zwölf Fahrer zur Verfügung, wobei hier aber keiner auf die Idee käme, einfach jedes Teammitglied zwei Stunden lang auf die Strecke zu schicken. Vielmehr arbeitet man im Schichtbetrieb. Drei Fahrer kämpfen drei Stunden lang auf der Runde, immer schön im fliegenden Wechsel alle 20 Minuten. Und keine Angst, die Übergabe erfolgt fliegend, nur aufgrund der Transponderzeiten. Solange also der folgende Fahrer erst losfährt, wenn der vorhergehende die Ziellinie passiert hat und damit keine Zeitstrafe kassiert, gibt es quasi keinen Zeitverlust. Nach drei Stunden (und folgerichtig drei Einsätzen pro Fahrer) übernimmt die nächste Schicht, womit für jeden genug Zeit bleibt, sich richtig auszuschlafen - oder einfach für „dolce far niente“.
Ebenso ungewohnt dürfte die Startzeit sein. Anstatt in Le Mans-Manier Samstags um 14 Uhr auf die Strecke zu gehen fällt hier der Startschuss bereits am Freitag, um zehn Uhr abends. Die Nacht durchlebt man so relativ frisch, was auch auf die sonst eher drückenden Temperaturen zutrifft und das große Finale findet zur besten Feierstunde Samstag Abend statt. Und wer es richtig krachen lassen will hat ja dann noch den ganzen Sonntag zur Verfügung.
Die sonst üblichen Flak-Scheinwerfer kann man übrigens getrost zu Hause lassen! Die komplette Runde ist an sich ganz passabel ausgeleuchtet, lediglich ein rotes Rücklicht ist Pflicht bei Dunkelheit.
Keine Frage, die 24 Stunden von Feltre sind ein richtig hartes Rennen, allerdings wirklich nur was die reine Fahrleistung angeht. Das Thema Schlafmangel umgehen die Italiener ganz geschickt und auch was Fahrer-Wechsel und andere „Formalitäten“ angeht kann man sich ganz auf das Rennen konzentrieren. Wem insgesamt zwei Stunden Fahrzeit (hochgerechnet bei einem zwölf-Mann-Team) noch nicht reichen kann ja noch eine Woche Urlaub hinten dran hängen und eine Woche später beim Granfondo Sportful an den Start gehen, einem der härtesten Radmarathons in Europa.
Datum: 11. bis 12. Juni 2010
Startgeld: 450 € (pro Team)
Fotos Veranstalter
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