
In sechs Tagen mit Snowboard Freeride Profi Berny Stoll von Granada durch die andalusische Sierra Nevada nach Almeria - selbstverständlich unter größtmöglicher Vermeidung geteerter Straßen, immer mit einem hungrigen Magen und wachsender Begeisterung.
Am Flughafen in Granada nehmen wir einen Busparkplatz in Beschlag und holen unsere Mountainbikes aus dem Karton. Wir werden im klassischen Stil unterwegs sein. Das heißt, jeder hat sein komplettes Equipment in einem kleinen Rucksack, der etwa 7 Kilogramm wiegt. Rein in die Bikeklamotten und wir haben circa 20km vom Flughafen in unser Hotel, das direkt unter der Alhambra liegt. Als richtiger Biker gilt es immer den schöneren Weg mit wenig Asphaltanteil zu finden. Kurz auf die Schnellstraße und schon sind wir wieder auf einer staubigen Piste.
Berühmt ist Granada wegen der vielen bedeutenden historischen Bauten sowohl aus maurischer Zeit. Die bedeutendsten Bauten aus der maurischen Zeit gehören zur Festung Alhambra (von Al-hamra-u: "Die Rote"). Sie ist eine Ansammlung von Palästen und die größte Anlage dieser Art in Spanien. Sie wurde im 13. und 14. Jahrhundert als Residenz der maurischen Könige errichtet, weitreichende Vorbauten waren allerdings bereits entstanden, ohne dass sich der Errichtungszeitpunkt nachvollziehen lässt.
Am nächsten Tag in der Früh beginnt unsere eigentliche Mission. Rauf aufs Bike und nach einer kurzen Besichtigung der Alhambra, geht es durchs Hinterland weiter Richtung Prodallano - ein mondänes Skigebiet auf 2400 Metern Höhe. Es ist Sonntag, und viele Spanier begegnen uns auf Ihren Mountainbikes die eine Tour ins Hinterland von Granada unternehmen. Mit "spanish for runaways" fragen wir einen der Spanier nach „sentiero mucho sexo brutalico downhill“ ... wir lachen alle, doch der Spanier versteht... er schickt uns in ein kleines Tal und meinte "muy difficil". Wir stürzen uns mit einem Grinsen hinein und haben unseren ersten Trail gefunden.
Die Luft ist so klar und sauber, wir können schon am Horizont unser nächstes Etappenziel erkennen – eine Albergue auf 2500m. Wir schauen auf den Höhenmesser und seufzen; wir befinden uns gerade mal auf 800m, für den Nachmittag gibt’s also noch einiges zu tun. Auf gemütlichen Anstiegen geht es entspannt den Berg hinauf. Da, wo es wirklich steil wird, sieht man keine anderen Biker mehr - nichts für Wellnessausflüge. Nach ein paar Stunden haben wir es endlich geschafft und wir sitzen vor der Hütte mit einem Bier in der Hand, genießen das unbeschreibliche Panorama und einen ebenso gigantischen Sonnenuntergang. Nach dem Abendessen stürmen wir eine Bar - das ist gänzlich unvernünftig angesichts der kommenden Strapazen, hält uns aber trotzdem nicht davon ab.
Am nächsten Tag geht es etwas gerädert und verschlafen auf neue Gipfel. 3480 Meter hoch liegt das Ziel, die Belohnung: Aufregende Downhill-Trails zurück ins Tal.
Die Luft wir immer dünner, das Atmen zäher, bald sitzen wir auf dem Mulhacen, dem höchsten Berg der spanischen Halbinsel. Man kann direkt bis auf den Gipfel fahren, wenn denn noch Kraft in den Beinen ist. Bei Traumwetter und herrlicher Fernsicht relaxen wir auf dem Berg, bevor uns ein ellenlanger Singeltrail wieder nach unten bringen wird. Viele Steine, grobes Geröll und nur ein gerade mal Handtuchbreiter Trail saugt uns die letzten Kräfte aus dem Körper, die Arme werden weich, doch das Grinsen im Gesicht wird immer deutlicher. Wenn wir keine Ohren hätten, würden wir vielleicht sogar im Kreis grinsen. Unser heutiges Ziel ist eine Hütte auf 2500 Meter. Wir beziehen unserem Schlafraum - heute mal alle in einem Massenlager. Es ist auf Berghütten üblich, dass man sämtliche Gerüche und Geräusche miteinander teilen kann, ob man will oder nicht. Der Ratschlag „ein Bier mehr trinken, dann kann man auch schlafen“ an, und es wirkt. Der eine schnurrt, der andere schnarcht was das Zeug hält.
Der Trail, der direkt an der Hütte endete, geht auch von dort weiter. Heute stehen sicher 2000 Höhenmeter pures Singeltrailvergnügen auf dem Programm. Nach 1500 Höhenmetern gelangen wir in das Bergdorf Capillera. Ein typisches Dorf der Alpujarra, der Gegend südlich der Sierra Nevada. Die weiß getünchten Dörfer sind noch aus der Zeit der Mauren. Das Beste ist der Serrano Schinken, der hier aus der Gegend kommt. Das lernen wir schnell zu schätzen und der Schinken gehört von nun an mit dazu. Schlemmen und Biken passt halt einfach gut zusammen.
Wir kommen durch weitere schöne Bergdörfer, begegnen einem Bauern, der mit seinem Muli einen riesen Strohballen transportiert und fühlen uns etwas exotisch auf unseren Bikes. Heute übernachten wir in Trevélez, der Ort ist ein in den Alpujarras gelegener Bergort in der Provinz Granada in Spanien. Er zählt etwa 1150 Einwohner und liegt auf 1476 m Höhe. Berühmt ist Trevélez vor allem für seine luftgetrockneten, na was wohl - Schinken. In einer Bar hängen in dem rauchigem Dunst prachtvolle Serranoschinken, welch ein Anblick.
Das Biken und Surfen auf allerbesten Singletrails geht aber gleich am nächsten Morgen weiter. Eine kurze Schiebepassage bergauf - wer Kraft wie ein Ochse hat, der fährt es auch. Ich gebe nach ein paar Kehren auf, doch Suse kommt von hinten und will es probieren. Wir, die schweißtreibend unsere Bikes hoch schieben, wundern uns nur...
Ein Trail der Superlative führt uns in ein Hippie Dorf. In den Alpujarras haben sich viele Engländer niedergelassen, die hier ihr kleines Paradies erschaffen haben. Beim Mittagessen tuckert ein uralter Rover im Schritttempo vorbei, am Steuer, natürlich auf der rechten Seite, eine ältere Dame die das Klischee nur geradezu perfekt wiedergibt.
In den nächsten Tage dreht sich fast alles ums Biken, Essen und Landschaft genießen. Einmal kamen wir in ein Gewitter, Regen wie aus Kübeln zwang uns in einer kleinen Tapas-Bar einzukehren. Da wir auch hungrig waren, bestellten wir einfach ein paar Bier und tranken uns das Wetter wieder schön. In Lauchjar de Andrax, der Hauptstadt und Regierungssitz in den Alpujarras rannten wir von einer zur anderen Tapasbar um all die Köstlichkeiten einmal probiert zu haben. Man könnte es auch Tapashopping nennen.
Am vorletzten Tag nehmen wir noch einen ellenlangen Anstieg in die Sierra de Alhamilla auf den Puntas in Angriff. Es hat zwar nicht mehr geregnet, aber dafür hatten wir einen Wind auf dem Berg, der einem das Befahren der Trails “etwas” schwer gemacht hat. In Baños de Sierra Alhamilla kurze Einkehr in eine Tappasbar, bei der uns die Geschwindigkeit des Wirtes sehr beeindruckt hat “Tapas, Tapas, Tapas..” wie aus der Pistole geschossen kamen die Tapas auf den Tisch geflogen, natürlich nur bei jeder weiteren Getränkebestellung. Anschließend weitere Abfahrt, teils durch ausgetrocknete Flussbetten nach Almeria. Wir checken in unser Hotel ein und freuen uns aufs Meer. Das haben wir uns auch verdient!
Dann gings wieder back to the roots mit dem Bike zurück zum Flughafen. Die Realität hat uns wieder, auch das kalte schmuddelwetter in Deutschland. Sierra we come back!!!
Fotos Berny Stoll, Powder Trails
Links
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