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Speed im Blut (PC 1/11)

Dienstag, den 21. Dezember 2010 um 19:01 Uhr 0 Kommentare
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Marcel Wüst und das Simplon Serum trafen sich bislang nur flüchtig. Doch nun ergab sich für den Kölner eine Gelegenheit, den schnellen Österreicher endlich näher kennenzulernen.

Nicht nur das im Vergleich zu Köln um Lichtjahre bessere Wetter auf der Insel sorgte dafür, dass die Testfahrt zum Vergnügen wurde.

Manchmal dauert es etwas vom ersten Treffen bis zum wirklichen Kennenlernen – so war es auch mit dem Simplon Serum und mir. Zum ersten Mal wurde das Flaggschiff aus dem Hause Simplon auf der Eurobike 2009 präsentiert (dort lernten wir uns kennen), und außer bei einer kurzen Probefahrt anlässlich des „Demo Day“ der Friedsrichshafener Messe hatten wir seitdem keinen intensiveren Kontakt mehr. Das änderte sich kurz vor Weihnachten, als ich zu einem Kurztrip auf die Sonneninsel Mallorca flog und ein Serum im Gepäck hatte. Während es zu Hause in Köln kräftig schneite, empfingen mich 16° C und Sonnenschein – Grund genug, nicht lange zu zögern und so bald wie möglich eine Runde zu drehen.

Das Rad aus dem Karton zu holen und fertig zu montieren, war ein Kinderspiel; man hatte mir sogar eigens für die Montage des Sitzdoms feines Schleifpapier und Montagepaste für Carbon-Teile beigelegt. Die Sattelhöhe war schnell eingestellt – nun noch das Lagerspiel justieren und den Lenker gerade stellen, und es konnte losgehen. Das Gefühl, das superleichte Räder beim Beschleunigen auslösen, ist immer wieder klasse – vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich hier nicht um ein mit Tuning-Teilen „auf leicht gemachtes“ Rennrad handelt, sondern um ein mit Serienkomponenten ausgestattetes Modell.

Noch wichtiger als geringes Gewicht ist mir heutzutage allerdings die Seitensteifigkeit in der Steuereinheit und im Tretlager – in Ersterer, um das Gefährt so schnell wie möglich und dennoch berechenbar die steilen Abfahrten hinunterzubringen, die man vorher wegen der großartigen Kraftübertragung ohne Verluste in Zweiterer ebenfalls so schnell wie möglich erklommen hat. Das Steuerrohr ist konisch (1 1/4 auf 1 1/8 Zoll), das Tretlager enorm bullig. Durch dieses läuft auch der Zug für den Umwerfer, welcher wiederum an einem einlaminierten Sockel hängt – das sieht edel aus und ist zudem haltbarer als eine genietete Verbindung. Nicht nur fahrtechnisch, sondern auch in puncto Verarbeitung lautet mein Fazit dementsprechend: grandios. Nicht zuletzt deshalb, weil mir die Geometrie des Rahmens ein Fahrvergnügen allererster Güte bescherte. Wenn der richtige Fahrer auf diesem Rad sitzt, dann kann damit die Tour de France gewonnen werden – daran besteht kein Zweifel. Dass ich dafür nicht der Richtige bin, ist mir zwar klar, dieses Rad aber auf die Alltagstauglichkeit zu testen, die ein ambitionierter Hobbyfahrer voraussetzt, das sollte ich hinbekommen.

Die ersten welligen Abschnitte auf meiner Runde tauchten auf, und ich nutzte den maximalen Schwung, den ich mit der Übersetzung von 50 x 11 aus der Abfahrt mitnehmen konnte, und zog 400 Meter voll durch. Keinen Augenblick lang hatte ich Grund, daran zu zweifeln, dass die gesamte Pedalkraft auf dem hinten montierten Schwalbe Ultremo ZX landete. Seinen unglaublichen Vortrieb verdankt das Rad auch der supersteifen Einheit aus Syntace-Vorbau und dem elegant geschwungenen Racelite-2-Lenker aus gleichem Hause. Hier wackelte und wankte gar nichts. Jeder ProTour-Sprinter dürfte sich nach so einem Rad die Finger lecken – und bei dem geringen Gewicht wahrscheinlich auch die Bergfahrer.

In vielerlei Hinsicht ist das Serum aber auch klassisch. Die eher filigranen Sitzstreben und das nicht allzu voluminöse Sitzrohr, auf dessen Verlängerung der Sattel samt einfach zu bedienender Klemmung einfach aufgestülpt wird, sehen schnörkellos schön aus. Die Stütze federt bei schlechter Wegstrecke auf angenehme Weise die gröbsten Unebenheiten ab, hinterlässt aber trotzdem ein direktes und gutes Gefühl. Die Schaltzüge liegen weiterhin außen (der Zugwechsler wird es danken!); dass diese schwarz sind, mag nur ein kleines Detail sein – das aber richtig edel aussieht. Das Gleiche gilt für den hinteren Bremszug. Dass mit der Sram Red die nach wie vor leichteste Rennradgruppe am Serum montiert war, bereitete mir zusätzliche Freude. Vor allem die überragende Leichtigkeit der Schaltvorgänge erstaunte mich und ließ mich darüber nachdenken, ob an meinem Privatrad nach nun fast drei Jahren nicht mal neue Brems- und Schaltzüge montiert werden könnten …

Da ich mit einer Kompaktkurbel unterwegs war, hatte ich keine Angst vor steilen Bergen, und so kam es, dass ich nach fast zweijähriger Abstinenz dem Castell de Santueri mal wieder einen Besuch abstattete. Die im unteren Teil neu geteerte Straße und ein kräftiger Rückenwind ließen mich alle Anstrengungen, die noch auf mich warten sollten, vergessen, und ich kurbelte forsch bergan. Im unteren Teil genoss ich den leicht nach innen geschwungenen Bogen des Oberlenkers – hier liegen die Hände so ergonomisch perfekt auf wie bei keinem anderen Lenker, den ich je gefahren bin.

Weiterlesen? Den gesamten Test finden Sie in Procycling 01/2011 – ab 23. Dezember an Ihrem Kiosk.

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Foto-Copyrights Foto Tim de Waele
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Schlagwörter: Kompaktkurbel, Marcel Wüst, Radtest, Simplon Serum, Sram Red
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