
Viele junge Radrennfahrer haben große Träume – und Philippe Gilbert ist einer der ganz wenigen, deren kühnste Träume wahr wurden, als er in diesem Frühjahr seinen fantastischen Sieg bei Lüttich – Bastogne – Lüttich feierte.
Der Erfolg war umso bemerkenswerter durch die scheinbare Leichtigkeit, mit der er das starke Schleck-Duo schlug, und vor allem durch die großartige Serie von Klassiker-Siegen, deren Krönung „La Doyenne“ war. Innerhalb von elf Tagen errang Gilbert stolze vier große Siege ohne Niederlage.
Nachdem er sich beim belgischen Halbklassiker Pfeil von Brabant warmgefahren und problemlos gegen Björn Leukemans durchgesetzt hatte, drückte Gilbert der gesamten Ardennen-Woche seinen autoritären Stempel auf. Beim Amstel Gold Race wiederholte er seinen Vorjahressieg, als er auf dem Schlussanstieg, dem Cauberg, erneut der Endschnellste einer erlesenen Gruppe war. Einige Tage später stürmte der aus der Wallonie stammende Gilbert beim Flèche Wallonne vor Joaquim Rodríguez und Samuel Sánchez auf die Mur de Huy.Diese brillanten Leistungen sorgten für viele Spekulationen vor Lüttich. Gilberts loyale Fans wagten zu glauben, dass er bei der Doyenne den bis dato unerreichten Vierer perfekt machen könnte, und bei der Form, die er im April bei jedem hügeligen Rennen an den Tag gelegt hatte, schien dies im Bereich des Möglichen zu sein. Wahrscheinlich war der Druck auf Gilbert vor Lüttich enorm, doch zeigte er während des Rennens keinerlei Anzeichen von Stress, als er Andy Schleck auf der Côte de Roche aux Faucons in die entscheidende dreiköpfige Ausreißergruppe folgte.
Als er in der Schlussphase mit den Schlecks spielte und die wenigen zaghaften Angriffe von Fränk auf dem vorletzten Anstieg problemlos parierte, schien klar, dass Gilbert nach dem Flèche Wallonne tatsächlich „einen Schalter umgelegt“ hatte. Nach dem Sieg sagte er, seine Leistung auf dem letzten Anstieg habe ihm „neue Erkenntnisse über meine physische Kapazität“ gegeben.
Die ganzen Ausmaße Gilberts körperlicher Fähigkeiten zeigten sich während des Rests der Saison, als er phänomenale 18 Rennen und die UCI World Tour gewann. Doch war wohl kein Sieg so süß wie sein erster bei Lüttich – Bastogne – Lüttich, an dessen Strecke Gilbert aufwuchs. Er nennt ihn „einen der größten Momente in meiner Sportkarriere“. Nach dem Rennen kehrte Gilbert (wie er versprochen hatte) zum La-Redoute-Anstieg zurück, wo sein Fanclub eine Feier mit rund 10.000 Fans organisiert hatte, die dem belgischen Star eine halbe Stunde lang applaudierten.
Weiterlesen? Diesen und zahlreiche weitere Artikel über das Radsportjahr 2011 finden Sie in Procycling 01/2012 – ab 16. Dezember an Ihrem Kiosk.
Foto Tim de Waele
Icons Pinvoke




