900 Euro trennen unsere beiden RT Lector Modelle 5700 und 9000. Für das Geld lässt sich eine ganze Menge machen um das Gewicht zu verringern oder bessere Komponenten zu verbauen. Beide Testräder spielen dabei allerdings eh schon in einer sehr guten Liga - mal sehen was da noch geht...
Ghost RT Lector 5700
Mit dem 5700er beginnt bei Ghost der Einstieg in die Oberklasse der Marathon-Fullys. Für 2.399 Euro bekommt man standesgemäße 100 Millimeter Federweg, einen Zehnfach-Mix aus Sram-X.9- und X.7-Komponenten sowie die Rock Shox Reba RL Air PopLoc und „Avid Elixir 3“-Bremsen. Deren Standfestigkeit ließ keine Wünsche offen – kein Wunder bei 185er Scheiben. Vielmehr stellt sich da die Frage, ob nicht etwas mehr Federweg den Komfort auf den langen Touren erhöhen würde. Doch bei Ghost bleibt man sich treu: 120 Millimeter gibt es erst bei den AMR-All-Mountains, echte Marathonisti kommen auch mit weniger klar. Glücklicherweise arbeiten der Hinterbau mit PME-Technologie und der X-Fusion-Dämpfer hervorragend zusammen. Für lange Anstiege steht ein kompletter Lockout zur Verfügung, was aber auch wegen des tief liegenden Hebels wohl eher selten genutzt wird. Einheitliches Lob gab es für die Systemintegration am kleinen Lector: Pressfit-Innenlager, Direct-Mount-Umwerfer, dazu integrierte Lager im konischen Steuerrohr – Stabilität und aufgeräumte Optik stehen klar im Vordergrund. Mit den leichten Rocket Rons von Schwalbe kommt das 5700er im Wespen-Look auf immer noch konkurrenzfähige 11,9 Kilogramm.
Ghost RT Lector 9000
Oberhalb des RT Lector 9000 rangieren nur noch Worldcup-Modell und Pro-Team-Version – beide mit noch hochwertigerer Ausstattung und UHM-Carbon-Rahmen. Bei den Fahreigenschaften macht sich das gegenüber den High-Endern kaum bemerkbar – das neue entwickelte 9000er ist sehr spurtreu , lässt sich dank Tapered Headtube und Rock Shox SID RLT recht gut einlenken und verdient das Prädikat „gutmütig“. Im Vergleich zum Vorjahresmodell ist eine deutlich bessere Fahrwerksabstimmung spürbar. Verantwortlich zeigt sich dafür das vom AMR geliehene PME-Fahrwerk mit dem nun vertikal verbauten und zentral über dem Tretlager positionierten 100-mm-Dämpfer. Auch bergauf profi tiert das Lector vom neuen Hinterbau- und Fahrwerkskonzept und lässt sich nicht zuletzt auch wegen der exzellenten Rocket Ron und dem etwas oberhalb der Elf-Kilo-Marke liegenden Gesamtgewicht aufwärtsbewegen. Mit XT-Ausstattung, Avids Elixir CR-Bremsen und dem leistungsstarkem Triple aus Alexrims’ SX44-Felge, DT-Speichen und XT-Naben ist das 9000er mit 3299 Euro ein starkes Angebot.
Fazit Rein optisch sind die Unterschiede zwischen den beiden Modellen nicht so offensichtlich. Auf den zweiten Blick fällt die Hinterbauschwinge ins Auge, die beim 9000 als Carbon-Monocoque ausfällt, während beim 5700 Alu zum Einsatz kommt. Die Funktion bleibt gleich, das Endgewicht beider Marathonisti mit All Mountain-Genen differiert dann doch gleich um ein dreiviertel Kilogramm. Der Ausstattungsmix beider Räder zeigt, hier wird mit spitzer Feder und Fachverstand konfektioniert. Die SID-Gabel reagiert deutlich feinfühliger als die Reba am kleinen Bruder und auch Avids leichte CR-Scheibenbremse überzeugt voll am 9000er, während das Einsteigersystem Avic Elixir 3 eine anständige Vorstellung abliefert. Vielfahrer sollten durchaus die 900 Euro Aufpreis in Kauf nehmen - es lohnt sich.
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