Die Pre-Trek-Ära in der US-Kultschmiede Klein erfreut sich extremer Beliebtheit im Kreis der Klein-Fans. Unser Adroit von 1993 gehört zu genau dieser Zeit und ist ganz sicher eines der kultigsten Klein-Bikes überhaupt.
Als Gary Klein 1995 seine Mountainbike-Manufaktur an den Fahrradgiganten Trek verscherbelte und sich davon eine optimierte Vertriebsstruktur versprach, handelte er ganz
sicher mit den besten Absichten. Für einen so kleinen Hersteller wie Klein ist der Gedanke an Wachstum auch sicher sehr verlockend, doch den auch damals schon legendären Ruf und das Kultimage büßte die Marke nach dem Verkauf ein wenig ein. Sicher konnte Klein im Vertrieb sehr von Trek profitieren – doch die sektenähnliche Vergötterung durch die Fangemeinde wird nur den Ursprungs-Mountainbikes zuteil, wie auch unserem Adroit.
Eines dürfte klar sein: Um ein Adroit in der Airbrush-Lackierung „Rain Forest“ zu sehen zu bekommen, reicht es nicht, in einer deutschen Großstadt im Hochsommer sein
Camp vor der Eisdiele aufzuschlagen. Ein solches Rad steht entweder in einem fantypisch ausgeschmückten Keller, der einem Hochsicherheitstrakt ähnelt, oder man sieht davon schlicht nur Fotos. Wer Kult herstellen will, muss seiner Zeit voraus sein, Premium-Qualität liefern und seine Produkte streng limitieren.
Ein Blick von unten bestätigt Letzteres auch im Fall des Adroit – #011 ist dort zu lesen und viele Brüder hat das Traumrad in dieser Lackierung danach auch nicht mehr bekommen. Den Rest der Anforderungen hat Gary Klein selbstredend auch erfüllt – inklusive exorbitantem Preis. Neben der aufwendigen und manuellen Zufalls-Airbrushlackierung, die jeden der Rahmen zu einem Unikat macht und durch innenverlegte Züge noch an Präsenz gewinnt, fällt besonders die gewichtsparende Vorbau-
Lenkereinheit MC1 (Mission Control) auf, die eine integrierte Bremszugführung für die Vorderradbremse aufweist. Integriert ist auch der Steuersatz und was heute üblich ist, war
anno 1993 geradezu revolutionär und zukunftsweisend.
Bis auf die Bremsentriangel von Avid präsentiert sich die Shimano XTR-M900 Gruppe von 1994 absolut sortenrein und das grau-blaue Elox der XTR scheint wie für das Klein gemacht. Vollkommen untypisch, aber eben auch individuell sind die montierten Dura Ace Pedale, die defi nitiv eine hervorragende Wahl sind und neben dem Selle Italia Flite Evo 2 Carbonsattel das Rad noch einzigartiger erscheinen lassen – sofern man denn die Augen vom Lack lassen kann. Der Flite Evo 2 mit Titanschienen kam erst einige Jahre nach dem Rad auf den Markt und löste den Flite 1 Titanium ab. Man sollte meinen, kurz vor Ende des alten Jahrtausends waren Carbonsättel noch mittelschwerer Schnickschnack – falsch, der Evo 2 wiegt gerade einmal 99 Gramm und das ist auch heute noch mehr als konkurrenzfähig. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die wohl
aufwändigsten Kettenstreben überhaupt. Ein Klein begnügt sich nicht mit Standards und so kommen gradiente Streben zum Einsatz, die sich von einem Vierkantprofil zu einem Tubus und letztendlich zu einer D-Form verlaufen. Beide Streben sind der unterschiedlichen Belastung wegen auch different geformt – aber das haben Sie sich wahrscheinlich schon gedacht.
Das Kult-Adroit gibt’s übrigens auch in augenfreundlicheren Lackierungen, nur sehen werden Sie vermutlich keines davon, denn wie gesagt, die stehen streng bewacht bei ein paar echten Liebhabern – das Anfassen ist Unwürdigen verboten! (IK)
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