Großreinemachen bei Shimano: Mit der Einführung der neuen SLX-Gruppe sortiert der Komponenten-Riese sein Offroad-Programm um und sorgt ganz nebenbei für Freudentränen bei all denen, die sich schon immer eine optisch ansprechende Mittelklasse-Gruppe für harten Einsatz gewünscht haben.
Die Sensation des Spätsommers war sie sicher nicht, die neue SLX von Shimano - zu groß war die hauseigene Konkurrenz imRennrad-Bereich, genannt Dura-Ace beziehungsweiseDura Ace DI2. Klar, dass die elektronische Schaltung der Renner am Eurobike-Messestand des Komponentenriesen war, doch darüber sollte man nicht vergessen, dass die Einführung der neuen Mountainbike-Gruppe deutlich größeren Einfluss auf die Shimano-Modellpalette hat als die elektrische Rennradschaltung.
Bye, bye LX ...
Deore, LX, XT, XTR - bislang war die Komponenten-Welt der Mountainbiker klar geordnet. Wovon übrigens auch die Trekkingradler profitierten, denn die Übernahmen diese Gruppen ohne großes Gerede an ihre Reise-Boliden. Ach so, die Hardcore-Fraktion der Offroader konnte sich an der "Hone" erfreuen, und falls die nicht reichte, gab es auch noch die "Saint", um Freerider und Downhiller zu beglücken. Diese Hierarchie ändert sich ab sofort. Mit der Präsentation der neuen SLX-Gruppe setzt Shimano auf eine stärkere Trennung zwischen Offroad- und Trekking-Bereich, denn ab dem Modelljahr 2009 gehört die LX ins "Comfort"-Segment. Die Deore LX sei auf dem MTB-Sektor vor sich hin gedümpelt, war zum Hintergrund der Neuausrichtung zu vernehmen. Die Optik der neuen LX ist stark den bekannten Trekking- beziehungsweise Citybike-Gruppen angeglichen, auch ein mit "LX" signierter Nabendynamo gehört nun zu der Gruppe. In Sachen Funktion wird die LX dem Trekkingradler jetzt stärker gerecht; die Bremshebel sind nun länger, so dass man sie komfortabel mit vier Fingern greifen kann, und weisen überdies einen geräuschdämpfenden Gummipuffer auf - gegen das laute Klacken beim Loslassen. Die durch die Umwidmung der LX entstandene Lücke zwischen Deore und XT füllt nun die SLX aus. Man habe eine eigenständige Gruppe schaffen wollen, die auf das All-Mountain-Segment abzielt, erklärt Shimano-Verkaufsleiter Florian Nebl; aber auch Cross-Country-Jünger sollen mit der SLX glücklich werden. Wie das funktioniert? Betrachtet man die Gruppe im Detail, stellt man gegenüber der alten LX einerseits eine Reduktion auf das Wesentliche fest, bemerkt andererseits aber auch eine Ausweitung der Produktpalette, die vieleEinsatzmöglichkeiten offenlässt. Weggefallen sind zum Beispiel die Dual-Control-Hebel - nach langer Anlaufphase im Cross-Country-Bereich durchaus akzeptiert, für den All-Mountain-Fahrer oder Freerider jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Option. Folgerichtig wird das Schaltwerk der SLX nur in der "Shadow"-Variante angeboten, ohne die Ausgleichsfeder am Befestigungsbolzen. Auch eine SLX-eigene V-Brake gibt es nicht; dafür weist der Hydraulik-Bremshebel der SLX ein praktisches und griffiges Verstellrädchen auf, mit dem die Griffweite des Hebels eingestellt werden kann.
Auf der anderen Seite wird die neue Gruppe mit zwei ganz unterschiedlichen Kurbelsätzen angeboten: eine klassische Dreifach-Kurbel mit 44er Außenblatt, dazu eine Zweifach-Kurbel mit 36 und 22 Zähnen, die durch den stabilen Kunststoff-Kettenschutzring, der das große Blatt bei Aufsetzern schützt, eine besonders massive Optik erhält.
Liebe zum Detail beweist Shimano vor allem mit den linken Kurbeln der Tretlagersätze: Die sind nämlich keineswegs identisch; vielmehr erfreut der Zweifach-Tretarm (die passende rechte Kurbel
natürlich auch) mit einem eingepressten Stahl-Kurbelgewinde und einer versenkten Unterlegscheibe, was zusammengenommen einen wirksamen Schutz gegen ein Ausbrechen des Gewindes darstellt. Auf den Hardcore-User ist auch das Steckachsensystem der Hinterradnabe abgestimmt; alternativ dazu bietet die SLX auch eine Schnellspannnabe. Die Steckachse kennt man schon aus Saint und Hone; erstere wurde im Zuge der Umsortierung der Gruppen übrigens überarbeitet, letztere gestrichen - logisch, den Grenzbereich von All-Mountain und Cross-Country übernimmt ja nun die SLX. Angesiedelt unterhalb der XT-Gruppe, liegt die SLX qualitativ und gewichtsmäßig auf dem Niveau der alten LX. Ihre Optik jedoch lässt sich nur als sensationell bezeichnen: Mit der anthrazitfarbenen Beschichtung kommt sie in vielen Details der Luxus-Gruppe XTR gleich; die Kurbeln sehen sich mit ihren geschliffenen Vorderseiten beinahe zum Verwechseln ähnlich.
Designorientierte Gruppe
"Man wollte mit der SLX auch eine designorientierte Gruppe schaffen", erklärt Shimano-Mann Nebl - das ist ganz klar geglückt. Besonders erfreulich ist, dass diese Design-Orientierung in der "mittleren Mittelklasse" stattfindet, bei Bikes nämlich, die ab 1400 Euro zu haben sind. Der Fokus der neuen Gruppe liegt klar auf dem OEM-Bereich, also auf den Kompletträdern im Fahrradladen; Technik-Freaks, die sich ihr Bike selbst aufbauen, werden wohl doch eher zur XTR greifen. Und hochwertig ausgestattete und optisch überzeugende Kompletträder zu verträglichen Preisen sind nun mal genau, was die Branche am Laufen hält. Bravo, Shimano!
Die SLX im Gewichts-Check
Umwerfer (Schelle) 154 g
Rapidfire Shifter (Paar, ohne Züge) 264 g
Schaltwerk (Shadow-Technologie) 262 g
Bremse vorne (Sattel, Hebel, Leitung) 332 g
Bremse hinten (Sattel, Hebel, Leitung) 356 g
Bremsscheibe mit Lockring, 180 mm 172 g
Kurbelsatz 2fach 36/22, 175 mm 912 g
Kurbelsatz 3-fach 44/32/22, 175 mm 802 g
Innenlager 88 g
Fotos Kai Dudenhöfer
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