
John Degenkolb blickt auf die vergangenen Wochen zurück
Der Mai war ein sehr schwerer Monat für den Profiradsport. Erst der Tod von Wouter Weylandt bei einem schrecklichen Unfall beim Giro und nun der von Xavier Tondo zu Hause. Beide waren zutiefst traurig und sinnlos.
Es ist schwer zu erklären, welche Wirkung Wouters Tod auf mich gehabt hat. Ich habe am Tag danach eine große Trainingsfahrt gemacht und war alleine unterwegs. Da hatte ich viel (vielleicht zu viel) Zeit zum Nachdenken – Zeit, daran zu denken, wie gefährlich dieser Sport ist. An einem Tag ist noch alles in Ordnung, und am nächsten kann ein tragischer Unfall plötzlich alles verändern. Es ist erschreckend. Gestern habe ich während des Rennens einen Sturz gehört und dachte sofort: „Ach du Scheiße …“ Es macht dir Angst.
Aber es ist wichtig, diese Gedanken aus dem Kopf zu kriegen und sich auf das Rennen zu konzentrieren. Es ist nicht gut, daran zu denken, was passieren könnte, weil dich das nervös machen könnte – als Rennfahrer ist das das Letzte, was du willst oder was andere Fahrer wollen. Schließlich musst du deinen eigenen Fähigkeiten vertrauen können. Es ist kein ungefährlicher Sport, kein ungefährlicher Job, das steht fest.
Im Moment stehen für mich einige Rennen in Deutschland an. Gestern war ich bei einem neuen Rennen, dem ProRace Berlin. Der Kurs lag mir nicht – er war zu flach für mich –, aber das Ziel war am Brandenburger Tor, der wohl großartigsten Kulisse in Deutschland. Jetzt habe ich die Bayern-Rundfahrt und danach das Critérium du Dauphiné [wo er beim Prolog Vierter wurde, die 2. Etappe nach Lyon in überragender Manier gewann und auch den 4. Abschnitt für sich entscheiden konnte]. Ich glaube, die Dauphiné wird das schwerste Rennen in meiner Profikarriere – so viele Anstiege und Bergankünfte. Aber das wird ein gutes Training für die deutsche Meisterschaft Ende Juni. Die sind in diesem Jahr etwas ungewöhnlich, weil es kein Profiteam auf höchster Ebene gibt und alle Mannschaften mit maximal vier oder fünf Fahrern antreten. Dadurch wird das Rennen viel schwerer zu kontrollieren sein. Ich habe mir den Kurs noch nicht angeschaut, aber André Greipel sagt, es sei ein städtischer Kurs mit vielen Kurven und kurzen, steilen Hügeln. Mal schauen, ob ich da ein gutes Ergebnis einfahren kann.
Foto Tim de Waele
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