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Reformiert das System!

Freitag, den 10. September 2010 um 09:44 Uhr 0 Kommentare
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Voeckler

Bei der Tour Down Under im Januar sagte Lance Armstrong – er wollte wohl eher sein australisches Publikum erfreuen als konkrete Pläne verkünden – in Adelaide, dass er mit dem Gedanken spiele, im Oktober an der Weltmeisterschaft im benachbarten Victoria teilzunehmen. „Ich könnte aus zwei Gründen teilnehmen: Um selbst auf Sieg zu fahren oder um eine Gruppe von zwölf starken US-Fahrern zusammenzustellen, die Tyler Farrar unterstützen.“

 

Als Armstrong das letzte Mal bei einem WM-Straßenrennen (1998 im niederländischen Valkenburg, wo er Vierter wurde) startete, hätte er Recht gehabt. Doch seit 2005 ist die Höchstzahl von Fahrern pro Nation auf neun begrenzt. Bei der WM 2003 im kanadischen Hamilton war ganz klar, dass das alte System es den stärksten Nationen erlaubte, eine tyrannische Kontrolle über das Rennen auszuüben. Das Ergebnis waren zu viele Massensprints – sogar auf schwierigen Strecken mit harten Anstiegen wie dem Kurs in Lissabon, wo Oscar Freire den zweiten seiner drei Siege feierte.

 

UCI-Präsident Pat McQuaid sagte 2009: „An den Veränderungen im Qualifikationssystem, die wir in den letzten Jahren vorgenommen haben, können Sie sehen, dass wir den größeren Nationen Plätze weggenommen und diese den kleineren Nationen in anderen Kontinenten gegeben haben. Wenn ihre Standards sich verbessern, werden wir diesen Trend fortsetzen, aber Sie werden verstehen, dass wir das nur langsam tun können, sonst gäbe es große Diskrepanzen bei der Qualität.“

 

Während beispielsweise Frankreich 2004 noch mit zwölf Fahrern vertreten war, waren es 2009 nur noch sechs. Grund sind die neuen Qualifikationskriterien der UCI: Die ersten zehn Nationen in der Weltrangliste haben neun Fahrer. In diesem Jahr lag Frankreich zum Stichtag 15. August auf dem 13. Platz. Daher können wir sechs Fahrer über die Europe-Tour-Rangliste plus einen weiteren Fahrer ins Rennen schicken – und zwar nach einer neuen Regel für die Länder in der Top 10, die weniger als neun Fahrer in der Weltrangliste haben, wodurch die Mannschaften von Luxemburg und Kasachstan auf je sechs Fahrer begrenzt sind. Marc Madiot, Teamchef von FdJeux und Präsident der französischen Profi-Liga, kritisiert das System: „Unser 13. Platz“, sagt er, „spiegelt die wirkliche Hierarchie unter den Radsportnationen keinesfalls wider.“

 

Die Website Cycling Quotient (www.cqranking.com) hat ihr eigenes Punktesystem, das alle internationalen Radrennen in der Welt berücksichtigt. Danach rangierte Frankreich am 8. August auf dem siebten Platz hinter Spanien, Italien, Belgien, Australien, Deutschland und den USA. Kasachstan und Luxemburg lagen nur an 14. beziehungsweise 17. Stelle. Auf dieser Skala hat Frankreich rund halb so viele Punkte (5.765) wie die führende Nation Spanien (12.695). Im Vergleich dazu kommt Spanien in der UCI-Weltrangliste auf 1.644 Punkte – fünf Mal so viel wie Frankreich (311).

 

Mitte August hatte Frankreich 34 Fahrer in der Weltrangliste, aber insgesamt weniger Punkte als Luxemburg und Kasachstan, die nur je mit je zwei Fahrern – den Schlecks beziehungsweise Alexander Winokurow und Maxim Iglinsky – in der Liste vertreten sind. „Wir haben im Moment keine große Namen, aber Frankreich liefert bei internationalen Rennen regelmäßig gute Leistungen ab, und das wird von dem System, das die UCI eingerichtet hat, nicht gewürdigt“, fügte Madiot hinzu. Dies ist eine Folge der Reform der ProTour im Jahr 2005, deren nie erreichtes Ziel „die besten Fahrer in den besten Teams bei den besten Rennen” lautete. Die Top-Fahrer wählten ihre Ziele aus wie immer.

 

Dass das System nicht funktioniert, sah man im März dieses Jahres, als Alberto Contador und Lance Armstrong, die Superstars des Radsports, plus Weltmeister Cadel Evans und Olympiasieger Samuel Sánchez das Critérium International fuhren – ein attraktives Rennen, das keine Punkte für die Weltrangliste bringt – statt Gent-Wevelgem und der Volta a Catalunya, die beide am selben Wochenende ausgetragen wurden. Pierrick Fédrigos grandioser Critérium-Sieg bescherte ihm eine Handvoll Punkte für die Europe-Tour-Wertung, da er Mitglied des Nicht-ProTour-Teams Bbox Bouygues Telecom ist – es brachte ihm, seinem Team und Frankreich aber nichts in der UCI-Weltrangliste.

 

„Wir haben erkannt, dass unser aktuelles Punktesystem unbefriedigend ist und arbeiten an einem neuen für das kommende Jahr“, sagte McQuaid im April. „Wir werden zu etwas globalerem wie der früheren UCI-Rangliste zurückkehren.“ Der Weltverband wird deswegen ein neues System einführen, bei dem die Punkte der 15 besten Fahrer pro Nation berücksichtigt werden, nicht nur die Top 5. 2010 hätte Frankreich dank dieser Maßnahme einen Platz in der Top 10 gehabt. Im letzten Jahr wurde Laurent Jalabert zum Auswahltrainer ernannt, um in den vier Jahren bis zu den Olympischen Spielen in London Resultate zu erzielen – ein faireres Qualifikationssystem würde einiges dafür tun, dass die Nationalteams besser vertreten sind.

 

Der Autor

Jean-François Quénet ist ein französischer Radsport-Journalist, der unter anderem für Le Parisien, Ouest-France und diverse internationale Radsportmagazine arbeitet.

 

Foto Tim de Waele

Schlagwörter: Frankreich, Pat McQuaid, UCI, Weltmeisterschaft, Weltrangliste
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