
Es ist mal wieder so weit, liebe Leser. Werfen Sie sich in Schale, üben Sie schon mal die Verneigungen, und bereiten Sie sich darauf vor, die jüngsten glücklichen Gewinner meiner Goldenen Savios zu ehren.
Die diesjährigen Kategorien und Gewinner lauten:
Leistung des Jahres
Thor Hushovds Regenbogentrikot bei der WM in Geelong. Meine Wahl basiert auf drei Faktoren: Erstens die Kraft, die man haben muss, um einen anspruchsvollen Sprint am Ende eines sehr schweren Rennens zu gewinnen. Zweitens das taktische Gespür, das Hushovd bewies, als er sich auf der Zielgeraden an das richtige Hinterrad hängte und von dort aus beschleunigte. Und drittens die Tatsache, dass er anders als viele Fahrer, die er schlug, nicht auf ein großes oder ausgesprochen starkes Team setzen konnte.
Fahrer des Jahres
Vincenzo Nibali. Eine ungewöhnliche Wahl? Ich erlaube mir, anderer Meinung zu sein. Sein Startschuss für die Saison fiel beim Sieg bei der Tour de San Luis in Argentinien, wo wir ihn auf jede denkbare Weise mit José Serpa und Luis Mate attackierten – aber er war nicht kleinzukriegen. Dann wurde er mit nur einer Woche Vorbereitungszeit zum Giro beordert, als Franco Pellizotti wegen seines biologischen Passes suspendiert wurde, und wurde trotzdem Dritter. Dann trat er bei der Vuelta an und gewann sie, bevor er seine Saison mit einer weiteren brillanten Leistung bei Lombardei-Rundfahrt abrundete. Kein anderer Rundfahrer war 2010 auch nur annähernd so beständig.
Domestique des Jahres
Danilo Hondo, Alessandro Petacchis Anfahrer. Hondo ist ein Sprinter, der schon viele eigene Siege gefeiert hat, aber seine Ambitionen in diesem Jahr völlig für seinen Kapitän opferte – und das mit großem Erfolg. Petacchi wurde bei der Präsentation des Giro 2011 gefragt, ob er glaube, dass es seine Chancen im Sprint schmälere, dass Lampre nun auch die GC-Ambitionen von Michele Scarponi unterstützt. Petacchi antwortete, das sei überhaupt kein Problem, solange er Hondo habe. Das ist die Essenz eines Top-„Gregario“ oder Domestiquen, wenn ein Team-Kapitän so was sagt.
Fauxpas des Jahres
Paradoxerweise war es genau das, was Liquigas und Ivan Basso dazu verhalf, den Giro zu gewinnen, oder zumindest hat es sie nicht daran gehindert. Erinnern Sie sich an die 11. Etappe nach L’Aquila? Genau – die, wo Liquigas und Astana, die zu dem Zeitpunkt Alexander Winokurow im Rosa Trikot hatten, unerklärlicherweise einer Gruppe von mehr als 50 Fahrern, darunter einige gefährliche, erlaubten, 17 Minuten herauszufahren. Fast zu meinem Bedauern retteten wir ihnen den Hintern, indem wir drei Fahrer aus der Gruppe abzogen und ins Feld zurückbeorderten, um dort Tempo zu machen. Zehn Tage später verdankte Ivan Basso seinen Giro-Sieg ebenso Androni Giocattoli wie Liquigas.
Enttäuschung des Jahres
Alberto Contadors positiver Test auf Clenbuterol. Ob er schuldig ist oder nicht, und ob er bestraft wird oder nicht – das ganze Fiasko war wieder mal eine sehr schlechte Werbung für den Radsport.
Neu-Profi des Jahres
Richie Porte, mit Abstand. Das Rosa Trikot im ersten Profi-Jahr zu tragen, ist bemerkenswert, könnte allerdings ein Glückstreffer sein. Aber dran zu bleiben und Siebter in der Gesamtwertung zu werden, ist eine phänomenale Leistung und kann unmöglich die Frucht der Fortune sein. Mit 25 ist Porte relativ alt für einen Neu-Profi, aber das heißt nicht, dass er keinen großen Entwicklungsspielraum hat. Die auf höchstem Niveau gefahrenen Rennkilometer lassen einen Fahrer vorankommen, nicht seine Jahre auf dem Buckel.
Elegantestes Outfit
La Française des Jeux, vor allem, bevor es in der Mitte der Saison umgemodelt wurde. Ein Klassiker.
Team des Jahres
Es gab keins, das hervorstach. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich Ihre geschätzte Aufmerksamkeit auf die Leistung eines eher wenig beachteten italienischen ProConti-Teams lenken, das zum Ende der Saison zum zweiten Mal in Folge in der Weltrangliste höher platziert war als einige ProTour-Teams. Und nicht nur das – diese couragierte Truppe hat das geschafft, obwohl sie nur an vier Rennen auf dem Historischen Kalender der UCI teilgenommen hat, sie holte den siebten Platz bei Mailand-San Remo, den zweiten bei Tirreno-Adriatico, den vierten beim Giro d’Italia und den zweiten bei der Lombardei-Rundfahrt. Wie hieß das Team noch gleich? Ah, si, genau: Androni Giocattoli-Diquigiovanni.
Rennen des Jahres
Die Lombardei-Rundfahrt – sie war nass, wild und sehr sehenswert. Sechs Stunden und zweiundvierzig Minuten haben uns daran erinnert, warum wir diesen wunderbaren Sport so lieben.
Der Autor
Wegen seiner Kleidungs- und Benimm-Etikette auch „der Prinz“ genannt, ist Gianni Savio einer der dienstältesten und unverkennbarsten Teammanager im Profi-Radsport. Der 61-Jährige aus Turin hat mehr als zwei Jahrzehnte lang praktisch mehrere Generationen des selben Teams gemanagt und sich einen Ruf für aggressive Renntaktik und die Entdeckung der besten südamerikanischen Talente erworben. Sein Team fährt gegenwärtig unter dem Namen Androni Giocattoli-Serramenti PVC Diquigiovanni.
Foto·Tim de Waele
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