Die Chronik einer Achterbahnfahrt: In seinem jüngst erschienen Buch „Des Radsports letzter Kaiser?“ dokumentiert Klaus Blume anhand von Reportagen und Essays den beispiellosen Auf- und Abstieg eines Volkshelden.
Blume, erfahrener Sportjournalist mit besten Kontakten ins Innerste des Radsportmetiers, hat sich auf die Spurensuche begeben, um Jan Ullrichs Karriere in all ihren Facetten zu beleuchten. Sein im Covadonga Verlag vorgelegten Buch zeichnet nicht nur eine akribische Charakter- und Milieustudie – es geht auch um Schuld und Sühne, Moral und Maßlosigkeit im Spitzensport. Und um eine fragile Persönlichkeit, die sich seit jeher allzu willfährig in die Abhängigkeit von anderen begeben hat...
„Dieses Buch ist weder der Versuch, den vermeintlichen Dopingsünder Jan Ullrich zur Strecke zu bringen, noch stellt es sich schützend vor eine ehemalige Radsport-Ikone“, betont der Autor. Vielmehr sei ihm daran gelegen, anhand der Figur des einst geradezu vergötterten „Kaiser Jan“, die Mythen des Spitzensportleralltags zu Beginn des 21. Jahrhunderts offenzulegen: die Gesetzmäßigkeiten einer Sensationsindustrie, in der in einem erfolgshungrigen Athleten – auch abseits des Radsportmetiers – schwerlich die Überzeugung reifen kann, sich allein auf Talent und Training, Wasser und Vitaminspritzen verlassen zu dürfen.

Im ersten Teil seines Buches erzählt der erfahrene Tour-de-France-Reporter, aus der Erinnerung und eigenen Aufzeichnungen, aber auch auf Basis von vielen Gesprächen mit Wegbegleitern und Vertrauten seines Protagonisten, den Auf- und Abstieg des Superstars Jan Ullrich. In den darauffolgenden acht Kapiteln versucht er sich dann – mit Hilfe von Doping-Experten, Psychologen und Juristen – an Antworten auf die in dieser Causa bis heute gestellten Fragen: Warum wird ausgerechnet Jan Ullrich zum Schafott geführt, während andere weiterfahren dürfen? Sind Medien und Sportpublikum auf einem Auge blind, wenn sie sich mit Grausen vom Radsport abwenden, um sich gleichzeitig unbeschwert an den nationalen Erfolgen etwa im Biathlon zu verlustieren? Wie sind sie zu bewerten, die unterschiedlichen Verteidigungsstrategien, die von Dopingverdächtigen bemühat werden? Und: Hat Jan Ullrich überhaupt noch eine Chance auf späte Rehabilitation?
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