Die Avid Shorty Ultimate bietet eine für Cantilever-Bremsen sensationelle Verzögerung – wer sie am Crossrad hat, denkt garantiert nicht über Discs nach!
Eine V-Brake montieren oder gar auf Discs umsteigen? Für viele Querfeldeinfahrer ein Sakrileg, doch so richtig glücklich ist kaum einer mit der guten alten Cantilever-Bremse – verzögerungsfaule Rennfahrer vielleicht ausgenommen. Mit der Shorty Ultimate bietet Avid, die Bremsenmarke von Sram, jetzt eine Canti an, die es zumindest mit den verbreiteten Mini-Vs aufnehmen kann und zudem optimal mit Rennbremsgriffen harmoniert – jedenfalls mit den DoubleTap-Hebeln von Sram.

Was hat die Ultimate anderen Cantis voraus? Ungewöhnlich ist erst einmal die Tatsache, dass der Bremskörper aus zwei Teilen besteht und man den Winkel zwischen Lastarm und Kraftarm in zwei Positionen einstellen kann. Abgebildet ist die „enge“ Position; daneben ist es möglich, den Arm, der den Zug aufnimmt, nahezu in die Waagerechte abzuwinkeln. Dadurch wandert der Querzugträger in die Höhe, was die Reifenfreiheit erhöht. In der engen Position ist die Bremskraft laut Avid dafür etwas höher.
Ungewohnt ist auch die Montage der Bremse. Die Bremsfeder wird nicht wie üblich in eines der Löcher am Bremssockel eingehängt; sie sitzt vor dem Bremskörper und wird dadurch vorgespannt, dass man die roten „Federkappen“ mit einem 15er Maulschlüssel nach außen dreht. Auf diese Weise wird die Bremse auch mittig gestellt. Die Sorge, die Bremse könnte unterwegs anfangen zu schleifen und kein 15er wäre zur Hand, erwies sich als unbegründet – nach zwei Fahrten bei Schlamm und Nässe und einem Sturz mit Fahrrad-Flugeinlage waren beide Stopper noch perfekt ausgerichtet.

Als Reibpartner der Felge (in unserem Fall Mavic Reflex) dient der gleiche Bremsbelag wie der aller Sram-Rennradbremsen – die schwarze Swissstop-Mischung. Bei unseren Testfahrten ließen sich die Laufräder damit bis an die Reifenhaftgrenze verzögern – bei Trockenheit wie bei Nässe. Erfreulich ist dabei, dass man auch bei eher großem Abstand zwischen Felgenflanke und Belag nicht fürchten muss, dass der Bremshebel am Lenker anschlägt. Außerdem wartet die Shorty Ultimate mit einem exakten Druckpunkt und sehr guter Dosierbarkeit auf – alles Faktoren, die bisher keine (uns bekannte) Canti-Bremse unter einen Hut bringen konnte. Der Querzug lässt sich zum Öffnen der Bremse leicht aushängen und verfügt zum Ausgleich von Belagverschleiß über eine Einstellschraube.
Irgendwelche Nachteile? Querzug und Bremszug werden per Madenschrauben geklemmt, welche die Züge ziemlich stark zusammendrücken – für den Fall, dass die Züge nachgestellt werden, sollte man sie auf gebrochene Litzen überprüfen. Und mit einem empfohlenen VK von rund 190 Euro pro Satz ist die Shorty Ultimate nicht gerade ein Schnäppchen – auch wenn der Marktpreis deutlich niedriger liegen sollte. Anspruchsvolle Querfeldeinfahrer mit Sram-Komponenten am Rad sollten trotzdem unbedingt zugreifen. Erhältlich ist die Avid Shorty Ultimate in Schwarz mit rot eloxierten Teilen sowie in Grau mit Schwarz, das Gewicht pro Satz beträgt rund 230 Gramm.
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