Wer sein iPhone beim Rennradfahren mit sich führt und immer in Angst lebt, das teure Teil könnte ihm aus der Trikottasche hüpfen, sollte sich nach einer Lenkerhalterung umschauen.Und wenn man den Mini-Rechner dann schon permanent in Sichtweite hat – warum nutzt man dessen GPS-Funktion dann nicht auch als Radcomputer?
Procycling hat es ausprobiert und sich mit überschaubarem Kostenaufwand einen Radcomputer gebastelt, der durchaus mit teuren GPS-Geräten konkurrieren kann. Für 1,59 € gibt es im AppStore die Vollversion von „BikeBrain“, dazu addieren sich 19,95 € für das „DryBag“ von Topeak, eine speziell für das iPhone entwickelte wasserdichte Hülle mit Lenkerhalterung.
Die Montage
Topeak liefert seine Universal-Halterung mit, die per Kunststoff-Schlauchklemme supersicher an Lenker oder Vorbau befestigt wird. Das iPhone-Etui wird dann einfach aufgeschoben und mit deutlichem Klick arretiert. Beim Betrachten der Konstruktion macht sich eine gewisse Ernüchterung breit: Aufgrund der Bauhöhe der Klemmschelle thront das Telefon hoch überm Vorbau. Die Zusatzfunktion des DryBag – eine Klammer, mit der man die Hülle etwa am Hosenbund befestigen kann – macht das Ganze noch höher, außerdem wird jede kleine Unebenheit auf der Fahrbahn von deutlichen Klappergeräuschen begleitet. Versuchsweise ließen wir die Halterung weg und montierten das Etui direkt auf den Vorbau. Keine schlechte Idee: Das Klappern lässt nach und das iPhone sitzt deutlich näher am Rad; es lässt sich nun allerdings nicht mehr einfach samt Hülle abziehen, sondern man muss erst per 4er Inbus die Schelle lösen.
Das Telefon lässt sich leicht in das Etui schieben, etwaige Schutzhüllen müssen jedoch vorher entfernt werden, da es im DryBag sehr eng zugeht. Auch bei häufiger Benutzung löst sich eine Display-Schutzfolie auf dem iPhone übrigens nicht ab. Verschlossen wird die Tasche mit einer Art Rollverschluss plus Klett-Sicherung.
Der Tacho
BikeBrain erlaubt seinem Nutzer verschiedene Anzeigevarianten; wir entschieden uns für die gut sichtbare Digitalanzeige mit großen weißen Ziffern auf blauem Hintergrund. Die permanente Displaybeleuchtung sorgt für perfekte Ablesbarkeit der sieben angezeigten Werte, die man aus insgesamt 20 Messwerten auswählen kann. Am sinnvollsten ist die Anzeige von Momentan-, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit, dazu Tagesstrecke und Fahrtzeit sowie aktuelle Höhe und zurückgelegte Höhenmeter. Die aktuelle Höhe wird recht genau angezeigt (laut Display immer mit +/- 19 Meter); wer jedoch auf „Starten“ drückt und losfährt, ohne darauf zu warten, dass die aktuelle Höhe angezeigt wird, bekommt die Höhenmeter von Null bis zur Starthöhe als Zusatz-Klettermeter „geschenkt“.

Überhaupt ist die Höhenmessung nicht eben super-akkurat. Mal stehen am Ende einer Tour mehr Höhenmeter auf dem BikeBrain-Display als bei anderen GPS-Geräten oder barometrisch messenden Tachos, mal weniger. Aber das Problem kennen so ziemlich alle GPS-Nutzer.
Ebenfalls GPS-typisch sind die Schwankungen bei der Geschwindigkeitsanzeige, wenn man durch bewaldete Streckenabschnitte fährt. Bei BikeBrain fallen sie jedoch weniger dramatisch aus wie beim zu Vergleichzwecken mitgeführten Garmin 500, der stellenweise 0 km/h anzeigte. Einen Einfluss auf die Distanzmessung hat dieses Phänomen jedoch nicht; die Abweichung zwischen BikeBrain und Garmin bei der Streckenlänge beträgt keine 0,5 Prozent.
Ach so: BikeBrain bietet diverse Trainingsfunktionen, deren Aktivierung uns teils jedoch schleierhaft blieb – etwa die Möglichkeit, die Herzfrequenz anzuzeigen.
Das Speichern
Alle aufgezeichneten Daten werden von BikeBrain automatisch gespeichert. Die aufgezeichneten „Reisen“ werden nach Datum (oder wahlweise Distanz, Dauer und Durchschnittsgeschwindigkeit) sortiert aufgelistet und beim Antippen einzeln angezeigt. Neben den Fahrdaten kann man sich die Strecke auf einer Google-Maps-Karte zeigen lassen oder diverse Diagramme ansehen – das Höhenprofil sowie die Geschwindigkeit in Abhängigkeit von Fahrzeit oder Strecke. Die Daten können per E-Mail verschickt werden; wenn man sich einen Google-Account einrichtet, kann man seine Strecken am Rechner auf Google Maps begutachten. Wer sich mit MotionBased, GPSies etc. auskennt, kann versuchen, seine Daten dort hochzuladen. In jedem Fall bleiben die Fahrdaten jedoch auf dem iPhone – und sind damit immer in Reichweite.
Das Fazit
Gut, das dicke Ding am Vorbau ist nicht so elegant wie ein kompaktes GPS-Gerät – wem das jedoch nicht so wichtig ist und wem der beschriebene Funktionsumfang ausreichend erscheint, der könnte sich mit der Kombination aus BikeBrain und DryBag durchaus anfreunden. Es zu probieren lohnt sich, und im schlimmsten Fall löscht man die App wieder vom iPhone und verwendet die wasserdichte Tasche beim nächsten Strandurlaub.
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