
Um flott auf der Straße unterwegs zu sein, braucht es keinen Multi-Tausend-Euro-Boliden, auch wenn die Werbung oft anderes suggerieren möchte. Das von Fahrrad News gesuchte Vernunft-Rennrad zum Volkspreis kommt vom Hamburger Hersteller Stevens.
Woran merkt man, ob man auf einem 1.200-Euro-Rennrad fährt oder einem für 5.000 Euro? Tja – so richtig kann einem das niemand erklären. Wer also eher nüchtern an die Sache herangeht und einfach einen soliden Renner sucht, um sportlich auf der Straße unterwegs zu sein, der muss nur knapp über unser Limit gehen und bekommt dafür ein optisch ansprechendes und technisch überzeugendes Rad – mit dem man übrigens durchaus auch Rennen fahren könnte.
Anders als beim vollgefederten Mountainbike gibt’s beim Rennrad nämlich keinerlei Funktionsunterschiede zwischen den oberen und unteren Preisklassen – auch am 1.249-Euro- Modell finden sich die kombinierten Brems-/Schaltgriffe, ein Zahnkranz mit zehn Ritzeln und hochwertige Reifen, bei denen eher der Mut des Fahrers das Limit bei der Schräglage setzt. Um den nicht ganz so austrainierten Sportler anzusprechen, spendiert Stevens seinem Stelvio ein Dreifach-Kettenblatt, mit dem auch die Besteigung des namensgebenden Stilfser Jochs ohne Schieben möglich wird.
Das immer wider hochgejubelte Thema Rahmensteifigkeit ist bei diesem Rad keins – Aluminium-Rahmen in dieser Preisklasse sind zwar natürlich nicht ultraleicht, aber dafür extrem stabil, egal ob im kraftvollen Sprint oder bei einer rauschenden Abfahrt. Überhaupt, das Gewicht: Inklusive Pedalen wiegt das Stelvio ziemlich genau neun Kilo – also ganze 2.200 Gramm mehr, als ein bei einem Profi -Radrennen verwendetes Rad mindestens wiegen muss. Hmmm. Darf der Profi seinen Radcomputer jetzt mitwiegen? Der schon erwähnte eher nüchtern denkende Rennradfreund wird jetzt abwinken, zumal er weiß, dass er selbst auch nicht gerade das Wettkampfgewicht eines Berufsfahrers hat – aber das Radfahren auf seinem Neun-Kilo-Renner ebenso genießen kann wie der Profi auf seinem Profirad.
Was fehlt denn nun am Stelvio? Der neueste Trend beim Rennrad heißt ja „aerodynamisch optimiertes Gesamtsystem“ – also fährt man nicht nur mit flachgepressten Messerspeichen, sondern formt auch die Rahmenrohre so windschnittig wie nötig, und so mancher Hersteller experimentiert gar mit rauen Oberflächen, die eine die Strömungsverhältnisse optimierende Grenzschicht bilden sollen ... Wer’s braucht, sollte aber auch mindestens mit 45 km/h Dauergeschwindigkeit unterwegs sein, denn unterhalb dieses Tempos (das der normal trainierte Rennradler in der Ebene wohl nicht mal eine Minute lang durchhält) kann man die Aero-Einflüsse der Rennmaschine getrost vergessen. Also: Schluss mit der Esoterik und her mit den 1.249 Euro.

Fazit Eines vorweg, das Stelvio gibt es sogar für noch weniger Geld - der Kunde kann sich sein rad nämlich selbst zusammenstellen und hiuer und da weiter sparen - am Ende können auch 1099 Euro auf dem Kassenzettel stehen. Das Stelvio ist ein klassisches Rennrad mit einem außerordentlich gut verarbeiteten Aluminium-Rahmen. Das hier nicht in der Produktion gespart wird, sieht man an den feinen Schweißnähten. Die Ausstattung ist makellos und dem Preis entsprechend - die 105er Shimano-Gruppe passt gut an dieses Rad und wird durch Komponenten von Stevens' Eigenmarke Oxygen ideal ergänzt. Wer am Endgewicht später feilen möchte, tauscht diese Komponenten einfach gegen leichtere Teile aus. Für sportliche Ausflüge ist das Stevens Stelvio nach wie vor eine sehr gute Wahl - unspektakulär gut.
![]()
Weiterführende Links
Fotos Stevens
Icons Pinvoke
Leichter = Schneller - diese Formel stimmt beim Radsport nicht unbedingt, au...
Wenn man am Hinterrad herumschrauben will oder die Kassett...
Beim Procycling und Prostyle Cycle Camp No. 2 gehts dieses Mal nicht...
Du stehst auf Profi-Outfits und vor allem das vom Team Leopard Trek? Daf...
Leichtbau am Aerorenner? Na klar, meist enden solche Projekte trotzdem deu...
Versägen Sie auch gerne schon mal Pedelecfahrer in den Bergen? Das wird mit ...
| < Zurück | Weiter > |
|---|





