Unser Leser Georg Weissmann hat seinen neuen Laufradsatz, eine Kombination aus SRAM's S60/S80, an einem Argon 18-Zeitfahrrad getestet und stellt uns seine Ergebnisse zur Verfügung. Gerne veröffentlichen wir seinen Bericht.
SRAM als Hersteller von hochwertigen Fahrradkomponenten ist mittlerweile zweifelsohne ein Begriff und steht den beiden Platzhirschen Shimano und Campagnolo in nichts nach. Insbesondere die innovative Schalthebelmechanik der Rennradgruppen "Red", "Force" und "Rival" ist regelmässig Garant für hervorragende Testergebnisse und macht SRAM zu einer echten Alternative zu den etablierten Gruppen von Campagnolo und Shimano. Mittlerweile hat SRAM seine Produktpalette auch durch einige Firmenzukäufe und -übernahmen weiter ausgedehnt.
Scheinbar im Vorübergehen wurde der Laufradhersteller ZIPP einverleibt und zusammen mit der in den Staaten bekannten Tochter "Flashpoint" in den SRAM Konzern integriert. Damit wechselten auch etliche Jahre an Know How im Laufradbau den Besitzer, wobei SRAM sich entschieden hat, ZIPP unverändert und eigenständig unter altem Namen weiterzuführen.
Anders bei Flashpoint: Auf Basis unveränderter Technologie führt SRAM hier eine eigene Laufradserie ein und labelt diese mit einem neuen, spektakulären Design, je nach Felgenhöhe als S40, S60 und S80. Flashpoint bedient seit einigen Jahren das mittlere Preisniveau auf Basis der älteren ZIPP-Carbonfelgentechnologie mit Aluminiumbremsflanke, was durch vereinfachte Produktionsschritte sowie Reduzierung der verwendeten Carbonlagen ermöglicht wird. Ebenso wird auf die aufwendig zu verarbeitende, im Windkanal optimierte Golfballoberfläche ("Dimples") verzichtet. Die für ZIPP-Felgen charakteristische, windabweisend gewölbte Form bleibt dabei jedoch genauso erhalten wie die hervorragende Lagertechnik. Letzeres wird durch die Verwendung von japanischen Industrielagern erreicht, die um einiges robuster sind als die für den Wettkampf konzipierten Lager in den Toplaufrädern 404, 808 und 1080. Etwas günstigere Standardnaben aus asiatischer Serienproduktion runden das Konzept ab. Diese sollen im Zusammenspiel mit qualitativ hochwertigen Industrielagern einen hervorragenden und langlebigen Leichtlauf garantieren.
Dass es SRAM mit seinen Ambitionen in diesem Bereich ebenso ernst nimmt wie bei den anderen Komponenten, merkt man schon beim Auspacken.Vorbildlich abgestützt werden die einzeln erhältlichen - und damit frei kombinierbaren - Laufräder in einem sehr stabilem Karton sicher gegen Beschädigung geschützt. Da hat man auch schon ganz andere Dinge gesehen, leider auch im höheren Preissegment. Pro Laufrad findet man eine ausführliche Bedienungsanleitung, Lagerschlüssel, SRAM-Felgenbänder sowie ebenso formschöne wie funktionelle SRAM Schnellspanner und Ventilverlängerungen. Die Materialverarbeitung ist gut, die Übergange zwischen dem steifen, weil fest mit der Felge aus Aluminium verbundenen Carbonprofil sind sauber gefertigt. Anders als bei Rädern der Konkurrenz, bei denen eine dünne Carbonschicht als Verkleidung dient, setzt man bei SRAM also auf eine Konstruktion aus einer sehr leichten Aluminiumfelge und einer mittragenden Felge aus Carbon. Somit kann die Aluminiumfelge äusserst leicht gehalten werden ohne dass Abstriche bei der Steifigkeit gemacht werden müssen.Die Bremsflanken sind sauber abgedreht und aufgrund einer reduzierten Materialstärke minimal höher als gewohnt, was wiederum die Einstellung der Bremsbeläge erleichtert. SRAM gibt eine maximale Abweichung der Bremsflächenbreite von 0,127mm an.
Auffällig ist weiterhin ein sehr guter Rundlauf bei gleichmässiger Speichenspannung. Die verwendeten Sapim CX Messerspeichen (nicht Sapim X-Ray) mit einer Breite von 2,8mm machen einen robusten Eindruck und vertragen laut Hersteller bis zu 1200Nm, was man den SRAM Laufrädern auch deutlich anmerkt. Um es gleich vorwegzunehmen: die Steifigkeiten bei den getesteten Laufrädern sind ausgezeichnet, auch wenn dies natürlich gewisse Zugeständnisse an das Gewicht erforderlich macht.

Nachfolgend die Gewichtsangaben von SRAM, jeweils Vorderrad und Hinterrad ohne Felgenband:
S40: 725g/890g
S60: 825g/951g
S80: 922/1126g
Der S40 ist dabei auf ein Fahrergewicht von maximal 90kg beschränkt, S60 und S80 auf 100kg. Getestet wurde die Laufradkombination S60 Vorderrad / S80 Hinterrad auf einem Zeitfahrrad Argon 18 E112 bei einem Fahrergewicht von 72kg. Bestückt wurden die Räder mit zwei Continental GP Triathlon Gummis und Continental Race Light Schläuchen. Die Montage der schwarz eloxierten Ventilverlängerungen erwies sich als problemlos.
Im Fahrbetrieb besticht die Laufradkombi durch satte Steifigkeit und hervorragendem Geradeauslauf, man fühlt sich buchstäblich wie auf Schienen. Dennoch kommt auch der Komfort nicht zu kurz, was wohl an der Konstruktion mit der tragenden Carbonfelge liegt. Carbon dämpft Fahrbahnunebenheiten eben deutlich besser als reines Aluminium. Ebenso auffällig ist das gute Fahrverhalten bei Seitenwind, was sich auf das gewölbte Felgenprofil zurückführen lässt, das dem Wind keine vollflächige Angriffsfläche bietet, sondern ihn förmlich um die Felge "herumführt". Einmal ordentlich beschleunigt rollen die Räder sehr leicht und lassen sich auch gut auf Geschwindigkeit halten. Der S80 im Heck bollert ab einer Geschindigkeit von 30km/h fast wie eine Scheibe und sorgt dafür, dass die Motivation hoch bleibt und ganz nebenbei für ein breites Grinsen im Gesicht des Piloten. Mit ausreichend Geschwindigkeit in Steigungen eingefahren, lässt sich das Mehrgewicht im Vergleich zu leichteren Vollcarbonrädern mit Schlauchreifen gut ausgleichen.
Die sehr guten Steifigkeiten sorgen hier dafür, dass jeglicher Krafteinsatz unmittelbar in Vortrieb umgewandelt wird und nichts auf der Strasse liegen bleibt.Vorteile ergeben sich darüberhinaus insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten durch eine konsequente Aerodynamik mit innenliegenden Speichennippeln sowie einem ausgezeichneten Bremsverhalten auch bei Nässe durch die Bremsflanken aus Aluminium. Die getestete Kombination S60/S80 eignet sich deshalb besonders als Trainingslaufradsatz für Triathlon - oder Zeitfahrräder.
Mein persönliches Fazit
Insgesamt machen die SRAM Laufräder eine überzeugende Figur, sowohl was die Verarbeitung als auch die technischen Eigenschaften anbetrifft. Die Laufräder fahren sich äusserst komfortabel, was man insbesondere von der Kombination mit dem 80mm Hinterrad so nicht unmittelbar erwarten würde. Umso erfreulicher ist, das SRAM hier auf Basis eines etablierten Konzepts ein guter Einstand im Laufradbereich gelungen ist. Man darf gepannt sein, was hier noch alles in der Schublade liegt.
Anmerkung Leserbeiträge stellen die Meinung des Verfassers dar und müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.
Autor Georg Weissmann
Fotos Georg Weissmann
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