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Doping im Mountainbikesport

Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 09:16 Uhr 0 Kommentare
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Doping im MountainbikesportAuch wenn es im Bikesport um weniger Geld geht: Frei von Doping ist er ebenso wenig wie andere Sportarten. Von Lennie Kristensen und Filip Meirhaeghe bis zu Roel Paulissen, Rudi van Houts und Marga Fullana reicht die „Hall of Shame“ der erwischten Athleten. Als langjähriger Beobachter des Bikesports stellt man fest, dass sich Dopingfälle auf Olympische Spiele hin häufen – der Druck, sich zu qualifizieren, lässt grüßen. Grund genug für die WOMB, ein Interview mit dem Experten Dr. med. Olaf Schumacher zu führen.

 


Fragen an Prof. Dr. med. Olaf Schumacher, Mitglied der Experten-Kommission, die die Blutpässe von Spitzenathleten beurteilt.

Warum ist die Verurteilung des Straßenprofis Pellizotti so wichtig für den Radsport?

Mit Pellizotti wurde erstmals ein Athlet aufgrund von Blutwerten aus seinem „biologischen Pass“ gesperrt, d. h. ohne dass es eine positive Dopingprobe gegeben hat. Das ist sehr wichtig und ein Präzedenzfall, nicht nur für den Radsport, sondern für alle anderen Sportarten auch.


Gibt es den biologischen Pass, der genaue Blutdaten von Athleten gespeichert hat, auch beim Mountainbike-Sport?
Noch nicht, aber die UCI möchte dieses System nach und nach für die Top-Athleten aller Disziplinen einführen.

Wäre es denkbar, dass sich ein Mountainbiker nach einem Freispruch durch seinen nationalen Verband nochmals vor dem Internationalen Sportgericht CAS wegen Auffälligkeiten in seinem Blutpass verantworten muss?
Klar. Wenn der Dachverband (im Falle von MTB ist das die UCI) oder die Welt-Antidopingagentur mit dem nationalen Urteilsspruch nicht einverstanden sind, können sie in Berufung gehen. Diese wird dann vor dem internationalen Sportgericht verhandelt. So geschehen im Fall Pellizotti.


Wie oft werden die deutschen Top-Athleten (Cross-Country) im Jahr getestet? Und wird im Mountainbike-Sport genauso viel kontrolliert wie im Straßenradsport? Wie sieht so ein Test aus?
Das hängt von der Testpool-Zugehörigkeit ab. Im Allgemeinen gilt: Je besser ein Athlet, desto häufiger wird er getestet. Es gibt Trainingskontrollen und die normalen Wettkampfkontrollen bei Rennen. Bei den Kontrollen selbst werden Blut- oder Urinkontrollen unterschieden. Deutsche MTB Spitzenathleten werden bis zu zehnmal pro Jahr im Training getestet, dazu kommen noch die genannten Wettkampfkontrollen.


Gibt es sowohl in der Anzahl und in der Analytik der Dopingtests Unterschiede zu anderen Nationen?
In der Anzahl möglicherweise, denn das hängt auch von den finanziellen Mitteln der jeweiligen Verbände bzw. der nationalen Anti-Doping-Agenturen ab. Die Analytik ist gleich, da gibt es nur bestimmte Labore, die für diese Art von Analytik akkreditiert sind.


Spielt das Gehalt eines Profis beim Doping eine Rolle? Hohes Gehalt = hohe Strafen oder hohes Gehalt = bessere Möglichkeiten, Doping zu vertuschen?
Meines Wissens unterschreiben alle Profis auf der Straße und teilweise auch im MTB Verträge, in denen Regressforderungen bei Dopingvergehen festgeschrieben sind. Es muss dann ein bestimmter Teil des Jahresgehalts zurückgezahlt werden. Dies ist auch schon
bei einigen Athleten zum Tragen gekommen. Der ehemalige Giro-Sieger Danilo di Luca hat meines Wissens 180.000 Euro Gehalt zurückzahlen müssen. Natürlich haben gut bezahlte Athleten auch die finanziellen Möglichkeiten, sich Expertenwissen für die Verwendung von Doping einzukaufen, kein Zweifel. Man weiß ja aus der Fuentes-Affäre, welche Summen in diesem Bereich teilweise gezahlt werden.


Wird in der Mountainbike-Szene weniger gedopt als im Straßenradsport? Oder ist die Analytik eine andere, und man findet daher nicht so viele „positive“ Athleten?
Schwer zu sagen. Ich würde vermuten, dass weniger gedopt wird, auch wenn es natürlich auch im MTB-Sport dopende Athleten gibt, was die positiven Fälle der letzten Jahre ja auch unterstreichen. Trotzdem zeigt mir die Tatsache, dass demonstrativ saubere Athleten, die sich auch offen gegen Doping positionieren, wie z. B. Sabine Spitz oder Wolfram Kurschat, vorne mitfahren, dass das Doping nicht übermäßig verbreitet sein kann und man als sauberer Athlet noch eine echte Chance hat. Das war über viele Jahre in anderen Sportarten nicht so.


Welche Zukunft hat das Doping im Mountainbike-Sport? Gibt es Möglichkeiten, das Mountainbiken sauberer zu bekommen?
Im Elitebereich muss man das Risiko-Nutzen-Verhältnis für den dopenden Athleten zu seinen Ungunsten verschieben. Das geht einerseits durch bessere Kontrollen und andererseits durch höhere Strafen. Im Nachwuchsbereich ist mit einer guten Präventionsarbeit
einiges zu bewegen.

Das Interview führte Sönke Wegner.

 

Foto-Copyrights Fotos WOMB
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Schlagwörter: Biologischer Pass, Blutdoping, CAS, Doping, Fullana, Houts, Kristensen, Meihaeghe, Mountainbikesport, Mountainbiking, Olaf Schumacher, Peliizotti, Raulissen, Sabine Spitz, UCI
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