
Es soll Biker geben, die sich mit 160 mm Federweg und mehr den Berg hochkurbeln, bevor sie sich in die ersehnte Abfahrt stürzen. WOMB testet für euch fünf dieser immer beliebter werdenden Hardcore-
Trailbikes. Den Test des Specialized Enduro Expert und das Trek Scratch Air 9 gibts Online kostenlos zu lesen.
Die Alu-Version des Enduro bekommt dieses Jahr die verdiente Fox-Gabel, sodass der hervorragende Rahmen mit seinen guten Fahreigenschaften richtig zur Geltung kommt.
DER RAHMEN
Der Rahmen war bereits letztes Jahr top, deswegen ist es auch nicht überraschend, dass er sich nicht geändert hat. Das leicht konisch geformte Steuerrohr verbindet ein abgerundetes, trapezförmiges Unterrohr und ein stark gesloptes Oberrohr, was für einen tiefen Einstieg sorgt. Dieses bildet zusammen mit der Abstützung des Sitzrohrs und der Dämpferaufnahme ein „X“ und sorgt laut Specialized für erheblich mehr Steifigkeit.
Der hintere Drehpunkt des Horst-Link-Hinterbausystems ist gabelförmig ausgeführt und bringt trotz des für Schnellspannachsen kompatiblen Ausfallendes ordentlich Steifigkeit. Das hintere Dämpferauge des Fox-Federbeins sitzt in einer formschlüssigen, zweigeteilten Aufnahme und übernimmt somit keine Drehbewegung, wie es bei anderen Systemen der Fall ist. Der Clou an der Sache ist, dass genau dieser Drehpunkt in der Regel ein passgenaues, schwer gängiges Gleitlager ist, welches eine große, radiale Bewegung vollzieht, was sich wiederum in der Sensibilität des Hinterbaus durchaus bemerk bar macht. Specialized umgeht mit dieser Konstruktion dieses Problem. Und es gibt weitere sinnvolle Details: so der Platz für einen Flaschenhalter, ein gelaserter „Sag-Indicator“, der bei der Federungsabstimmung hilft, oder der schlau konstruierte Sattelschnellspanner, der zugleich eine Führung für den Remote-Zug der höhenverstellbaren Sattelstütze bietet.
DIE AUSSTATTUNG
Das 2011er-Enduro legt mit der einfachen, aber leichten „Fox 36 Float R“-Gabel mit 20-Millimeter-Steckachse und fetten Standbeinen einen sauberen Start hin. Das konische Steuerrohr und die somit insgesamt steife Front passen sehr gut zum stabilen Rahmen. Ein kurzer 70-Millimeter-Vorbau mit tief sitzendem, 720 Millimeter breitem Lenker bilden ein goldrichtiges Cockpit, und der absenkbare „Command Post“, welcher in drei Positionen verstellbar ist, schießt zwar beim Ausfahren unsanft gegen den Endanschlag, sorgt aber für sicheres Abfahren. Die leichten und breiten Traverse-AL-Laufräder sind steif, und Specializeds Reifenpaarung Clutch und Purgatory ist robust und gut in der Traktion.
Specialized setzt am Tretlager auf die S-2200-Carbon-Kurbel von Sram. Das bringt natürlich einen Gewichtsvorteil gegenüber einem Alu-Modell, ist aber auch etwas empfindlicher im rauen Gelände. Kombiniert wird sie mit einer Gamnut, einer schaltbaren Kettenführung, welche die KMC-X-10-Kette auch bei extremen Bedingungen fest auf den Blättern hält.
AUF DEM TRAIL
Das Fahrverhalten des Enduro Expert ist sehr gut. Die große Vorderbaulänge (Abstand zwischen Tretlager und Vorderradnabe), der flache Lenkwinkel von 66,5 Grad und der kurze Vorbau sorgen für genügend Sicherheit, um es auch mit Felsbrocken und Geröllfeldern aufzunehmen. Dabei behält das Vorderrad auch auf losem Untergrund die Kontrolle. Die Kettenstreben sind mit 419 Millimetern dagegen ziemlich kurz gehalten. In Kombination mit dem überragend steifen Rahmen fühlt sich der Hinterbau dadurch straff und direkt an, sodass das Bike schnell durch enge Kurven zieht. Wenn man das Gewicht dabei nach vorne verlagert, damit das Vorderrad etwas mehr Grip bekommt, kann man das Hinterrad sogar kontrolliert zum Driften bringen.
Kurzum: Die Geometrie ist perfekt, um auf technisch anspruchsvollen oder einfach nur schnellen Trails jede Menge Spaß zu haben. Specialized hat auch die Druckstufendämpfung des Federbeins verringert: Sobald das Boost-Ventil die Lowspeed-Druckstufe öffnet, steht reichlich Federweg zur Verfügung. Beim RP23-Dämpfer kann man für Anstiege oder Abschnitte mit längeren Tretpassagen die Plattformdämpfung aktivieren und bekommt somit ein insgesamt strafferes Fahrverhalten.
Der einzige Nachteil des längeren Vorderbaus und des kurzen Hinterbaus ist, dass das Bike auf steilen Anstiegen mehr Fahrkönnen erfordert, da es schwieriger ist, die Spur zu halten.
Abschließend ein Wort zum Gewicht: Mit 14 Kilogramm ist auch eine gemütliche Tour mit dem einen oder anderen Anstieg möglich.
WOMB FAZIT
Das sehr sichere und ausgewogene Fahrverhalten in Kombination mit dem steifen Rahmen und der geschmeidigen Federung sorgt für ein perfektes Fahrgefühl.
Langer Vorderbau, kurzer Hinterbau
Hervorragende Steifigkeit des Rahmens
Super ausgewogenes und präzises Fahrverhalten
Gabel und Dämpfer sind besser als letztes Jahr
Kettenführung, solide Reifen und höhenverstellbare Sattelstütze
Carbon-Kurbelsatz ist nicht nötig
Kein Schnäppchen für ein Aluminium-Bike eines großen Herstellers mit vielen hauseigenen Anbauteilen
Die kompletten Trail-Tests von findest Du in der aktuellen Ausgabe 2/2011 der WOMB.
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